Druckschrift 
12 (1862) Über Ludwig Börne
Entstehung
Seite
27
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altcr! Die Menschen sind todt, die hier gelebt undgeweint haben, und können nicht widersprechen,wenn unsere verrückten Poeten und noch verrücktemHistoriker, wenn Narren und Schälke von der altenHerrlichkeit ihre Entzückungen drucken lassen; aberwo die todtcn Menschen schweigen, da sprechen destolauter die lebendigen Steine."

In der That, die Häuser jener Straße sahenmich an, als wollten sie mir bctrübsame Geschichtenerzählen, Geschichten, die man wohl weiß, abernicht wissen will oder lieber vergäße, als dass mansie ins Gedächtnis zurückriefe. So erinnere ich michnoch eines gicbclhohcn Hauses, dessen Kohlcnschwärzeum so greller hervorstach, da unter den Fensterneine Reihe kreideweißer Talglichter hingen; der Ein-gang, zur Hälfte mit rostigen Eiscnstangcn ver-gittert, führte in eine dunkle Höhle, wo die Feuch-tigkeit von den Wänden hcrabzuricscln schien, undaus dem Innern tönte ein höchst sonderbarer, nä-selnder Gesang. Die gebrochene Stimme schien dieeines alten Mannes, und die Melodie wiegte sichin den sanftesten Klagclantcn, die allmählich bis zumentsetzlichsten Zorne anschwollen. Was ist Das fürein Lied? frug ich meinen Begleiter. „Es ist eingutes Lied," antwortete Dieser mit einem mürri-schen Lachen, „ein lyrisches Meisterstück, das im