Ist aber in unserem Sinne kein großer Unter-schied zwischen Juden und Christen, so existiert Der-gleichen desto herber in der Weltbctrachtung Frank-furter Philister; über die Missstände, die sich darausergeben, sprach Börne sehr viel und sehr oft wäh-rend den drei Tagen, die ich ihm zu Liebe in derfreien Reichs- und Handelsstadt Frankfurt am Mainverweilte.
Ja, mit drolliger Güte drang er mir dasVersprechen ab, ihm drei Tage meines Lebens zuschenken, er ließ mich nicht mehr von sich, und ichmusste mit ihm in der Stadt herumlaufen, allerleiFreunde besuchen, auch Freundinnen . . .
Mich interessiert bei ausgezeichneten Leuten derGegenstand ihrer Licbcsgefühle immer weniger, alsdas Gefühl der Liebe selbst. Letzteres aber — Dasweiß ich — muss bei Börne sehr stark gewesen sein.Wie später bei der Lektüre seiner gesammelten Schrif-ten, so schon in Frankfurt durch manche hingeworfeneÄußerung, merkte ich, dass Börne zu verschiedenenZahrzeitcn seines Lebens von den Tücken des kleinenGottes weidlich geplagt worden. Namentlich vonden Qualen der Eifersucht weiß er Viel zu sagen,wie denn überhaupt die Eifersucht in seinem Cha-rakter lag und ihn, im Leben wie in deralle Erscheinungen durch die gelbe Lupe des