170
Vermischte Schriften.
IV. Staat und Gesellschaft.
Die Gesellschaft ist immer Republik — die Einzelnen strebenimmer empor und die Gesamtheit drangt sie zurück.
Bei den Alten rühmen sich die Patrioten beständig, z. B. Cicero.Auch die Neueren machen es zur Zeit der höchsten Freiheit ebenso,z. B. Rvbespicrre, Camille Desmonlins w. Kommt bei uns dieseZeit, so werden wir uns gleichfalls rühmen. Die Ruhmlosen habengewiß recht, wenn sie die Bescheidenheit predigen. Es wird ihnenso leicht, diese Tugend auszuüben, sie kostet ihnen keine Überwindung,und durch ihre Allgemeinheit bemerkt man nicht ihre Thatenlvsigkeit.
Man muß ganz Deutschland kennen, ein Stück ist gefährlich.Es ist die Geschichte vom Banme, dessen Blätter und Früchte wechsel-seitiges Gegengift sind.
Luther erschütterte Deutschland — aber Franz Drake beruhigteuns wieder: er gab uns die Kartoffel.
Das Öl, das auf die Köpfe der Könige gegossen wird, stillt esdie Gedankenstiirme?
Es giebt kein deutsches Volk: Adel, Bürgerstand, Bauern sindheterogener, als bei den Franzosen vor der Revolution.
Der preußische Adel ist etwas Abstraktes, er bezieht sich reinans den Begriff der Geburt, nicht ans Eigentum. Die preußischenJunker haben kein Geld.
Die hannoverschen Junker sind Esel, die nur von Pferden sprechen.
Bediente, die keinen Herrn haben, sind darum doch keine freieMenschen — die Dienstbarkeit ist in ihrer Seele.
Der Deutsche gleicht dem Sklaven, der seinem Herrn gehorcht,ohne Fessel, ohne Peitsche, durch das bloße Wort, ja durch einen