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12 (1898) Vermischte Schriften
Entstehung
Seite
169
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Gedanken und Einfalle, 169

Meycrbeer ist ganz Jude geworden. Wenn er wieder nachBerlin in seine früheren Verhältnisse zurücktreten will, innß er sicherst taufen lassen,

Rossinis „Othello" ist ein Vesuv, der strahlende Blumen speit.

Der Schwan von Pcsaro hat das Gänsegeschnattcr nicht mehrertragen können.

Aufhören der Poesie im Künstler — der Kranz schwindet ihmvom Haupte,

Sein Pasticcio hat für mich von vornherein etwas Unheimliches,mahnend an den heiligen Hieronymus in der spanischen Galerie, derals Leiche die Psalmen schreibt. Es fröstelt einen, wie beim Anfühleneiner Statue,

Alle Bilder Ary Schepers zeigen ein Hcranssehncn aus dem Dies-seits, ohne an ein Jenseits recht zu glauben — vaporöse Skepsis,

Lessing sagt: „Hätte man Raffael die Hände abgeschnitten, sowar' er doch ein Maler gewesen," In derselben Weise können wirsagen: Schnitte man Herrn ^ den Kopf ab, er bliebe doch ein Maler,er würde weiter malen, ohne Kopf, und ohne daß man merkte, daßer keinen Kopf hätte.

Shakespeare hat die dramatische Form von den Zeitgenossen;Unterscheidung dieser Form von der französischen.

Den Stoff seiner Dramen hat er immer bis ins Detail entlehnt;sogar die rohen Umrisse, wie die ersten Ausmeißclnngen des Bild-hauers, behält er,

Ist die Teilung der Arbeit auch im geistigen Produzieren vor-teilhaft? DaS Höchste wird nur dadurch erreicht.

Wie Homer nicht allein die Ilms gemacht, hat auch Shakespearen icht allein seine Tragödien geliefert — er gab nur den Geist, derdie Vorarbeiten beseelte.

Bei Goethe sehen wir Ähnliches — seine Plagiate,

Junins ist der Ritter der Freiheit, der mit geschlossenem Visiergekämpft,

Dante ist der öffentliche Ankläger der Poesie,