ll!2 Vermischte Schrien,
gespielt, wie sie gespielt werden muß, sie hat den rauschenden Beifall,der ihr zu teil wurde, rechtmäßig verdient, und seit jenem Abendezählen wir sie zu dem Häuflein besserer Schauspielerinnen, die wiroben genannt haben. Ihre seltsame, unruhige Händcbcwegung er-innerte uns lebhaft an die Semiramis der Madame Georges. IhreKvstiimierung, ihre Stimme, ihr Gang, ihr ganzes Wesen erfüllteuns mit geheimem Granen; absonderlich iir der Sccne, wo sie denVerschworenen die Nachtbefehle austeilt, ward uns so tief unheimlichzu Mute, wie damals in unserer Kindheit, als eines Abends dieblinde Magd uns die schaurige Geschichte von dem nächtlichen Schlosse,Ivo die verwünschte .Katzenkönigin, abenteuerlich gepicht, im Kreiseihrer Hvfkater und Höflichen sitzt und, halb mit menschlicher Stimmeund halb miauend, Unheil beratet.
Wir schließen diese Betrachtungen mit dem Bedauern, daß derRaum dieser Blätter unS nicht vergönnt, uns weitläufiger über HerrnBcers neue Tragödie zu verbreiten. Wir fühlen selbst, daß wir zu-meist nur eine Seite derselben, die politische, beleuchtet haben. Wirdenken, daß andere Berichterstatter, wie gewöhnlich, einseitig dieandere Seite, die romantische, die verliebte, besprechen werden. Indemwir solche Ergänzung erwarten, wollen nur nur noch unseren Dankaussprechen für den hohen Genuß, den uns der Dichter bereitet. Ander freimütigen Beurteilung, die sein Werk bei uns gefunden, mögeer unsere neidlose, liebreiche Gesinnung erkennen, und es sollte unSfreuen, wenn unser Wort vielleicht dazu beiträgt, ihn auf der schönenBahn, die er so ruhmvoll betreten, noch lange zu erhalten. DieDichter sind ein unstetes Volk, man kann sich nicht auf sie verlassen,und die besten haben oft ihre besseren Meinungen gewechselt aus eitelVcränderungssucht. In dieser Hinsicht sind die Philosophen weitsicherer, weit mehr als die Dichter lieben sie die Wahrheiten, die sieeinmal ausgesprochen, man sieht sie weit ausdauernder dafür kämpfen,denn sie haben selbst mühsam diese Wahrheiten aus der Tiefe desDenkens hervorgedacht, während sie den müßigen Dichtern gewöhnlichwie ein leichtes Geschenk zugekommen sind. Mögen die künftigenTragödien des Herrn Beer, ebenso wie der „Paria" und der „Strucn-sce", tief durchdrungen werden von dem Hauche jenes. Gottes, dernoch größer ist, als der große Apollo und all die andern mcdiatisierteuGötter des Olymps; nur sprechen vom Gotte der Freiheit.