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12 (1898) Vermischte Schriften
Entstehung
Seite
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Struensee.

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so Großes bewirkt. Er hat nicht bloß jede Sccrie genau motiviert,vorbereitet und ausgeführt, sondern jede Scene ist auch, an und fürsich ans organischer Notwendigkeit und aus der Hauptidee des Stückeshervorgegangen; z.B. jene VolkSscene, die den vierten Akt eröffnetund die einem kurzsichtigen Zuschauer als überflüssiges Füllwerk erscheinen mochte und manchem wirklich so erschienen ist, bedingt der-maßen die ganze Katastrophe, daß sie ohne dieselbe nur zur Hälftemotiviert untre. Wir wollen gar nicht einmal in Betracht ziehen,daß das Gemüt des Zuschauers von den Schmerzen der drei erstenAkte so tief bewegt ist, daß es durchaus zu seiner Erholung einerkölnischen Scene bedurfte. Ihre eigentliche Bedeutung ist dennochtragischer Natur, aus der lachenden Komödienniaske schauen Mclpomenes geisterhafte, tiefleidende Augen, und eben durch diese Sceneerkennen wir, wie „Struensee", der schon allein durch seine majestätS-verbrccherische Liebe untergehen konnte, noch obendrein dadurch seinemlintergange entgegeneilte, daß seine neuen Institutionen auch antinational waren, daß das Volk sie haßte, daß das Volk noch nichtreif war für die großen Ideen seines liberalen Herzens. Es sei unserlaubt, einige Reden aus jener Volksscene anzuführen, wodurch unsHerr Beer gezeigt, daß er auch Talent für das Lustspiel hat. DieBauern sitzen in der Schenke und politisieren.

Schul m eiste r.

Meinetwegen, der Struensee ist's nicht wert, daß wir uns umihn zanken. Der ist zu unser aller Unglück ins Land gekommen.Er bringt überall Hader und Zwistigkcit. Mischt er sich nicht auchin die Angelegenheiten des edlen Lehrfachs? fordert er jetzt nicht vonden wohlbestallten Schulmeistern, daß sie lehren sollen, was durchausnicht für die Köpfe eurer lieben Jugend paßt? Wenn's geschieht, wieer's haben will, so werden eure Buben und Mädchen bald klügersein, als ihr. Aber dazu soll es nicht kommen, dafür will ich sorgen.

Hovge lein Vancr).

Ja, er will überall Licht anzünden, wo man's auslöschen sollte;darf nicht jetzt jeder drucken lassen, waS er will! Ihr dürft jetzt alsei» ehrlicher Schulmeister nicht mehr einen Schluck über den Dursttrinken, so kann morgen der Küster drucken lassen: „Gestern war derSchulmeister betrunken."

Schulmeister.

Das sollt' er sich unterstehen! Ich möchte doch sehen. —

Hoog e.

Das würdet ihr sehen, und könntct's nicht hindern, Sie nennen'sPreßfreihcit, aber wahrhaftig, wer nicht immer nach dem Schnürchenlebt, kann dabei gewaltig in die Presse kommen.