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12 (1898) Vermischte Schriften
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126
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Vermischte Schriften.

und hier soll man, wie einst in Ägypten, ein Totengebicht haltenüber die Könige und Großen der Erde. Was gar fene Nützlichkeits-thevric betrifft, wonach man die Ausführung einer Tragödie nach demSchaden oder Nutzen, den sie etwa stiften könnte, beurteilt, so sindwir gewiß sehr weit entfernt, uns dazu zu bekennen. Doch auchbei einer solchen Theorie würde die Weersche Tragödie vielmehr Lobals Tadel verdienen, und wenn sie das Bild jener Knstenbevorrcchtnngin all seiner grausamen Lebhaftigkeit uns vor Augen bringt, so istdas vielleicht heilsamer, als man glaubt.

Es geht eine Sage im Volke, der Basilisk sei das furchtbarsteund festeste Tier, weder Feuer noch Schwert vermöchten es zu ver-wunden, und das einzige Mittel, es zu töten, bestände darin, daßjemand die Kühnheit habe, ihm einen Spiegel vorzuhalten; indemalsdann das Tier sich selbst erblickt, erschrickt es so sehr ob seinereigenen Häßlichkeit, daß es zusammenstürzt und stirbt. Der „Struen-see", ebenso wie „Der Paria", war ein solcher Spiegel, den der kühneDichter dem schlimmsten Basilisken unserer Zeit entgegenhielt, undwir danken ihm für diesen Liebesdienst.

Die Knnstgesetze, die ästhetischen Plebiscite, die der große Haufebei Gelegenheit der Beerschen Tragödie zu Tage förderte, wollen wirnicht beleuchten. Es sei genug, wenn wir sagen, daß Herr Beer vordiesem Richterstuhlc gut bestanden hat. Wir wollen dieses nicht lobendgesagt haben, sondern es versteckt sich vielmehr in diese Worte dergeheime Tadel, daß der Dichter durch Mittel, die vielleicht eben einesDichters nicht ganz würdig waren, das große Publikum zu gewinnenwußte. Wir deuten hier ans das theatralische Reizmittel einer aufshöchste gespannten Erwartung, wodurch es möglich war, ein so ge-drängt volles Hans, wie wir bei der Aufführung des „Struensce"sahen, fast fünftehalb Stunden, sage vier und eine halbe Stundelang, ansdauern zu machen, so daß am Ende doch noch der unge-schwächtestc Enthusiasmus übrig bleiben und allgemeiner Beifall aus-brechen konnte, ja daß der größte Teil des Publikums noch Lust hatte,lange zu warten, ob nicht Herr Beer, den man stürmisch hervorrief,erscheinen würde.

Wir haben vielleicht jenen Kritikern unrecht gethan, die HerrnBeer einen Mangel an schönen Reflexionen vorwarfen; dergleichenwar vielleicht nur ein ironischer Tadel, der hinter sich das feinsteLob verstecken wollte. War es indessen ernstlich gemeint stvir sindalle schwache Menschen), so bedauern wir, daß jene Kritiker vor lauterBäumen den Wald nicht gesehen haben. Sie sahen, tvie sie sagen,nichts als Handlung und Gestalten, und merkten nicht, daß solchedie nllerschönsten Reflexionen repräsentierten, ja daß das Ganze nichtsals eine einzige große Reflexion aussprach. Wir bewundern die dra^matische Weisheit und die Bühnenkenntnis des Dichters, wodurch er