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12 (1898) Vermischte Schriften
Entstehung
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93
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Die Romantik. 93

Die Romantik.

(1820.)

Was Ohnmacht nicht begreift, sind Träumereien.

A. W. b. Schlegel.

Nr. 12. 14 und 27 des „Kunst- und Nnterhaltuugsblattcs" ent-hält eine alte, aber neu aufgewärmte und glassierte Satire widerRomantik und romantische Form.") Ob man zwar einer solchenSatirc eigentlich nur mit einer Gegcnsatire entgegnen sollte, so istes dennoch die Frage, ob man hierdurch der Sache selbst nützen würde.Nr. 124 der „Hall, nllgem. Littcratnr-Zeitnng" enthalt die Recensivneiner solchen Gegcnsatire, deren Wirkung ans die Gegenpartei dieselbezu sein scheint, welche auch jene Karfunkel- und Solaris-Satiren aufdie Romantiker ausgeübt haben, nämlich Achselzucken. Ich wenigstensmöchte daher nicht ohne Aussicht, dadurch nutzen zu können, alsobloß des Scherzes halber, von einer Sache sprechen, von der die Aus-bildung des deutschen WvrleS fast ausschließlich abhängt. Denn wennman auf den Nock schlägt, so trifft der Hieb auch den Mann, derim Rocke steckt, und wenn man über die poetische Form des deutschenWortes spöttelt, so läuft auch manches mit unter, wodurch das deutscheWort selbst verletzt wird, lind dieses Wort ist ja eben unser heiligstesGut, ein Grenzstein Deutschlands, den kein schlauer Nachbar ver-rücken kann, ein Freiheitswecker, dem kein fremder Gewaltiger dieZunge lähmen kann, eine Oriflanime in dein Kampfe für das Vater-land, ein Vaterland selbst demjenigen, dem Thvrhcit und Arglist einVaterland verweigern. — Ich will daher mit wenigen Worten, ohnepolemische Ausfälle, und ganz unbefangen, meine subjektiven Ansichtenüber Romantik und romantische Form hier mitteilen.

Im Altertum, das heißt eigentlich bei Griechen und Römern,war die Sinnlichkeit vorherrschend. Die Menschen lebten meistensin äußeren Anschauungen, und ihre Poesie hatte vorzugsweise dasAußere, das Objektive, zum Zweck und zugleich zum Mittel der Ver-herrlichung. Als aber ein schöneres und milderes Licht im Orienteaufleuchtete, als die Menschen anfingen zu ahnen, daß es noch etwasBesseres giebt als Sinnenrnnsch, als die nnüberschwenglich beseligendeIdee des Christentums, die Liebe, die Gemüter zu durchschauer» be-gann: da wollten auch die Menschen diese geheimen Schauer, dieseunendliche Wehmut und zugleich unendliche Wollust mit Worten aus-sprechen und besingen. Bergebens suchte mau nun durch die alten

"Z Der i» Rede stehende Aussah war eine von W. v. Blomberg verfasse„Erklärung des im Jahrgänge ISlo des Heidelberger Taschenbuchs enthaltenenZonett-Dramas, betitelt! „Des sinnreichen himmlischen Boten PhoSphornS Con-jnnculus Solaris jüngste Nomödic, von ihm selbst geboren, gegeben und geschaut."

Der Herausgeber.