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12 (1898) Vermischte Schriften
Entstehung
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88 Vermischte Scliriftcn.

und er imponierte ihnen durch Vcrjchivendung nnd Pracht, Wenner in seiner Liiere, oder in einem verschlossenen, reichgeschmücklenPalankin durch die Straßen von Bagdad getragen ward, umgab ihnseine Dienerschaft in den abenteuerlichsten Kostümen, einige DutzendSklaven ans allen Ländern und von allen Farben, Bewaffnete inden sonderbarsten Armaturen, Pauken- nnd Zinken- und Tamtam-Schläger, die, ans Kamelen oder reich karapaeoniertcn Maultierensitzend, einen ungeheuren Lärm machten, nnd dem Zuge voran gingein langer Bursche, der in einem Kaftan von Goldbrokat stak, aufdem Haupte einen indischen Turban trug, der mit Perlenschnuren,Edelsteinen nnd Maraboutfedcrn geschmückt, und dieser hielt in derHand einen langen, goldenen Stab, womit er das andringende Volkforltricb, während er in arabischer Sprache schrie:Platz für denallmächtigen, weisen und herrlichen Stellvertreter des großen SultanLudwig Philipp!" Jener Anführer des Gefolges war aber kein an-derer, als unser Monsieur Gottlieb, der diesmal nicht mehr einenDeutschen, sondern einen Ägypter oder Äthivpen vorstellte, diesmalauch vorgab, keine einzige von allen europäischen Sprachen zu ver-stehen: und gewiß in den Straßen von Bagdad noch weit mehrSpektakel machte, als in der friedlichen Rue de Protrcs zu Paris beiGelegenheit jener Visite, worüber der alte Kamerad sich so mißlaunigin seinem Montagsfcuillcton vernehmen ließ.

In der That, durch seine äußere Erscheinung imponierte Loevc-Vcimars minder den Orientalen, die vielmehr eine große Amtswürdegern dnrch eine große Korpulenz und sogar Obesität repräsentiertsehen. Diese Vorzüge mangelten aber dem französischen Konsul, dervon sehr schmächtiger nnd eben nicht sehr großer Gestalt war, ob-gleich er auch durch seine Äußerlichkeit den Grand Scignenr nicht ver-leugnete, Ja, wie er, wenn es wirklich kein Baron war, doch es zusein verdiente durch seinen Charakter, so trug auch seine leiblicheErscheinung alle Merkmale adliger Art und Weise, Auch in seinemÄußeren war etwas Edelmännisches: eine feine, aalglatte, zierlicheGestalt, vornehme weiße Hände, deren diaphanc Nägel mit besondererSorgfalt geglättet waren, ein zartes, fast weibisches Gesichtchen mitstechend blauen Augen, und Wangen, deren rosige Blüte mehr einProdukt der Kunst als der Natur, nnd blondes Haar, das äußerstspärlich die Glatze bedeckte, aber dnrch alle möglichen Öle, Kämmeund Bürsten sehr sorgfältig unterhalten wurde. Mit einer glücklichenSelbstzufriedenheit zeigte Loevc seinen Freunden zuweilen den Kasten,worin jene Kosmetika, die unzähligen Kämme und Bürsten von allenDimensionen, und die dazu gehörigen Schwämme und Schwämmchenenthalten waren. Es war die Freude eines Kindes, das seine Spiel-sachen mustert aber war das ein Grund, so bitterböse über ihnZeter zu schreien? Er gab sich für keinen Cato ans, und unsere