Locve-Vcimars,
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In der That, letzterer hätte geringeren Geistern die posthnmcnAusfälle gegen Loevc-BcimarS überlassen fallen. Mancher darunter,der demselben sein Hauptvergchen, die Baronisiernng, vorwarf, würdesich vielleicht ebensnlls mit einem mittelalterlichen Titel affüblierthaben, wenn er nur den Mut seiner Eitelkeit besessen hätte, Lvcve-Beimars aber hatte diesen Mut, nnd wenn man auch heimlich lächelte,sa intinüdierte er dvch die öffentlichen Lacher, und die Hvzier unsererTage mäkelten nicht zn sehr an seinem Stammbaum, da er immerstählerne Urkunden in Bereitschaft hielt, welche ans dem Archiv vonLehnte hervorgegangen.
Ja, jedenfalls die ritterliche Bravvnr kannte unserem Laeve nichtabgesprochen werden, nnd wenn er wirklich kein Barvn war — wor-über ich nie nachforschte — so war ich dvch überzeugt, daß er ver-diente, ein Baron zn sein. Er hatte alle guten Eigenschaften einesGrand Scignenr, In hohem Grade besaß er z, B, die der Frei-gebigkeit, Er übte sie bis zum Exceß, nnd er mahnte mich in dieserBeziehung zuweilen an die arabischen Ritter der Wüste, welche vielleichtzu seinen Ahnherren gehörten, und bei denen die Freigebigkeit alsdie höchste Tugend gerühmt ward, Ist sie eS wirklich? Ich erinneremich immer, mit welchem Entzücken ich in den arabischen Märchen,die uns Galland übersetzt hat, die Geschichte von dem jungen Menschenlas, der den großen Reichtum, den ihm sein Bater hinterlassen, durchübertriebene Freigebigkeit vergeudet hatte, so daß ihm am Ende vonallen seinen Schätzen nur eine außerordentlich schöne Sklavin übriggeblieben. In letztere war er sterblich verliebt: doch als ein unbe-kannter Beduine, der sie gesehen, ihre Schönheit mit Begeisterungbewunderte, überwältigte ihn die angeborene Großmut und höflichsagte er: „Wenn diese Dame dir so außerordentlich gefallt, so nimmsie hin als Geschenk," Trotz seiner großen Leidenschaft für die Sklavin,welche in Thräncn ausbrach, befahl er ihr, dem Unbekannten zn fol-gen, dvch dieser war der berühmte Kalif Harun al Raschid, der inder Verkleidung eines Beduinen nächtlich in Bagdad umherzog, umsich inkognito mit eigenen Augen zn unterrichten, nnd der Kalif warvon der Großmut des freigebigen jungen Menschen so sehr erbaut,daß er ihm nicht bloß seine Geliebte zurückschickte, sondern ihn auchzn seinem Grvßvezicr machte nnd mit neuen Reichtümern und einemPrächtigen Palast, dem schönsten in Bagdad, beschenkte,
Bagdad, der Schauplatz der meisten Märchen der Scheherezade,die Hauptstadt von „Tausend nnd eine Nacht", diese Stadt, derenName schon einen phantastische» Zauber ausübt, war lange Zeit derAufenthaltsort unseres Loevc-Beimars, der von 1S33—1848 alsfranzösischer Konsul dort residierte. Niemand hat dort mit größererKlugheit und Würde die Ehre Frankreichs vertreten, nnd eben beiden Orientalen war seine natürliche Prunksucht am rechten Platze,