Ludwin Marc»?.
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natnren, oder gar Freunde des Müßiggangs und der entfesseltenSinnlichkeit, die sich hier in die Abgründe des Irrsinns verlieren —nein, dieses Unglück betraf immer vorzugsweise die honvrabelstenGemüter, die fleißigsten und enthaltsamsten Geschöpfe.
Zn den beklagenswertesten Opfern, die jener Krankheit erlagen,gehört auch unser armer Landsmann Ludwig Marcus. Dieser deutscheGelehrte, der sich durch Fülle des WisseuS ebenso rühmlich auszeichnete,wie durch hohe Sittlichkeit, verdient in dieser Beziehung, daß wir seinAndenken durch einige Worte ehren.
Seine Familienverhältnisse und das ganze Detail seiner Lebens-umstände sind uns nie genau bekannt gewesen. Soviel ich weiß, ister geboren zu Dessau im Jahre 1798, von unbemittelten Eltern, diedem gottesfürchligen Kultus des Judentums anhingen. Er kamAnno 1820 nach Berlin, um Medizin zn studieren, verließ aber balddiese Wissenschaft. Dort zu Berlin sah ich ihn zuerst, und zwar imKollegium von Hegel, wo er oft neben mir saß und die Worte desMeisters gehörig nachschrieb. Er war damals zweinndzwanzig Jahrealt, doch seine äußere Erscheinung war nichts weniger als jugendlich.Ein kleiner schmächtiger Leib, wie der eines Jungen von acht Jahren,und im Antlitz eine Greisenhaftigkeit, die wir gewöhnlich mit einemverbogenen Rückgrat gepaart finden. Eine solche Mißförmlichkeitaber war nicht an ihm zu bemerken, und eben über diesen Mangelwunderte mau sich. Diejenigen, welche den verstorbenen MosesMendelssohn persönlich gekannt, bemerkten mit Erstaunen die Ähn-lichkeit, welche die Gesichtszüge des Marcus mit denen jenes berühmtenWeltwcisen darboten, der sonderbarerweise ebenfalls ans Dessaugebürtig war. Hätten sich die Chronologie und die Tugend nichtallzu bestimmt für den ehrwürdigen Moses verbürgt, so könnten wirans einen sehr frivolen Gedanken geraten.
Aber dem Geiste nach war Marcus wirklich ein ganz naherVerwandter jenes großen Reformators der deutschen Juden, und inseiner Seele wohnte ebenfalls die größte »ncigcnniitzigkeit, der duldendeStillmnt, der bescheidene Rechtsinn, lächelnde Verachtung des Schlechten,und eine unbeugsame, eiserne Liebe für die unterdrückten Glaubens-genossen. Das Schicksal derselben war, wie bei jenem Moses, auchbei Marcus der schmerzlich glühende Mittelpunkt aller seiner Ge-danken, das Herz seines Lebens. Schon damals in Berlin warMarcus ein Polyhistor, er stöberte in allen Bereichen des Wissens,er verschlang ganze Bibliotheken, er verwühlte sich in allen Sprach-schätzen des Altertums und der Neuzeit, und die Geographie, imgenerellsten wie im partikularsten Sinne, war am Ende sein Lieblings-studium geworden; es gab auf diesem Erdball kein Faktum, keineRuine, kein Idiom, keine Narrheit, keine Blume, die er nicht kannte— aber von allen seinen Geistesexkursionen kam er immer gleichsam