Über den Denunzianten. 35
manchmal ein freiheitliches Wort gegen die deutschen Regierungenriskieren, und in der frechen Zagheit ihres Herzens bilden sie sichein, die Regierungen würden ihnen gern gelegentlich ein bißchenDemagvgismnS verzeihen, wenn sie dafür desto unablässiger denFranzosenhaß predigten. Sie ahnen nicht, daß unsere Fürsten jetztFrankreich nicht mehr fürchten, des Nntionalhasses nicht mehr alsVerteidignngsmittel bedürfen, und den König der Franzosen als diesicherste Stütze deS monarchischen Prinzips betrachten.
Wer je seine Tage im Exil verbracht hat, die fenchtkalten Tageund schwarzen langen Nächte, wer die harten Treppen der Fremdejemals ans und ab gestiegen, der wird begreifen, weshalb ich dieVerdächtigung in betreff des Patriotismus mit wortreicherem Unwillen von mir abweise, als alle andern Verleumdungen, die seitvielen Jahren in so reichlicher Fülle gegen mich zum Vorschein ge-kommen, und die ich mit Geduld und Stolz ertrage. Ich sage: mitStolz; denn ich konnte dadurch auf den hochmütigen Gedanken geraten, daß ich zu der Schar jener Anserwählten des Ruhmes ge-hörte, deren Andenken im Menschengeschlcchte fortlebt, und die überallneben den geheiligten Lichtspnren ihrer Fnßstapsen auch die langen,kotigen Schatten der Verleumdung ans Erden zurücklassen.
Auch gegen die Beschuldigung des Atheismus und der Jmmvralitütmöchte ich nicht mich, sondern meine Schriften verteidige». Aberdieses ist nicht ausführbar, ohne daß es mir gestattet wäre, von derHöhe einer Synthese meine Ansichten über Religion und Moral zuentwickeln. Hoffentlich wird mir dieses, wie ich bereits erwähnt habe,bald gestattet sein. Bis dahin erlaube ich mir nur eine Bemerkungzu meinen Gunsten. Die zwei Bücher, die eigentlich als Llorparnäslietä wider mich zeugen sollten, und worin man die strafbarenTendenzen finden will, deren man mich bezichtigt, sind nicht gedruckt,tvie ich sie geschrieben habe, und sind von sremder Hand so ver-stümmelt worden, daß ich zu einer andern Zeit, wo keine Mißdeutungzu befürchten gewesen wäre, ihre Autorschaft abgelehnt hätte. Ichspreche nämlich vom zweiten Teile des „Salon" und von der „Roman-tischen Schule". Durch die großen, unzähligen Ausscheidungen, diedarin stattfanden, ist die ursprüngliche Tendenz beider Bücher ganzverloren gegangen, und eine ganz verschiedene Tendenz ließ sich späterhineinlegen. Worin jene ursprüngliche Tendenz bestand, sage ichnicht; aber so viel darf ich behaupten, daß es keine unpatrivtischewar. Namentlich im zweiten Teile des „Salon" enthielten die aus-geschiedenen Stellen eine glänzendere Anerkennung deutscher Volks-größe, als jemals der forcierte Patriotismus unserer Tentvmanenzu Markte gebracht hat; in der französischen Ausgabe, im Buche„Do P^IIsmirg'ns", findet jeder die Bestätigung des Gesagten. Diefranzösische Ausgabe der inknlpiertcn Bücher wird auch jeden über-
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