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12 (1898) Vermischte Schriften
Entstehung
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11
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Einleitung zu Kahldorf über den Adel, 11

beteuern. Ich hätte nimmermehr mit solcher Mäßigung die adeligenPrätcnsionen und Erblügen diskutieren können. Wie heftig wurdeich einst, als ein niedliches Gritschen, mein bester Freund, währendwir ans der Terrasse eines Schlosses spazieren gingen, die Bcsscr-bliitigkeit des Adels zu beweisen suchte! Indem wir noch disputierten,beging sein Bedienter ein kleines Versehen, und der hochgeboreneHerr schlug dein niedriggeborenen Knechte ins Gesicht, daß das unedleBlut hervorschoß, und stieß ihn noch obendrein die Terrasse hinab.Ich war damals zehn Jahr' jünger, und warf den edlen Grafensogleich ebenfalls die Terrasse hinab es war mein bester Freund,und er brach ein Bein. Als ich ihn nach seiner Genesung wieder-sah er hinkte nur noch ein bißchen war er doch noch immervon seinem Adclstolze nicht kuriert, und behauptete frischweg: derAdel sei als Vermittler zwischen Volk und König eingesetzt, nach deinBeispiele Gottes, der zwischen sich und den Menschen die Engel ge-setzt hat, die seinem Throne zunächst stehen, gleichsam ein Adel desHimmels. Holder Engel, antwortete ich, gehe mal einige Schritteauf und ab er that es und der Vergleich hinkte.

Ebenso hinkend ist ein Vergleich, den der Graf Moltke in der-selben Beziehung mitteilt. Um seine Weise durch ein Beispiel zuzeigen, will ich seine eigenen Worte hersetzen:Der Versuch, den Adelaufzuheben, in welchem sich die flüchtige Achtung zu einer dauerndenGestalt verkörpert, wurde den Menschen isolieren, würde ihn aus eineunsichere Höhe erheben, der eS an den nötigen Bindungsmittcln andie untergeordnete Menge fehlt, würde ihn mit Werkzeugen seinerWillkür umgeben, wodurch, wie sich dieses im Oriente so oft gezeigt,die Existenz des Herrschers, in eine gefahrvolle Lage gerät, Burkenennt den Adel das korinthische Kapitäl wohlgeordneter Staaten,und daß hierin nicht bloß eine rednerische Figur zu suchen, dafürbürgt der erhabene Geist dieses außerordentlichen Mannes, dessenLanzes Leben dem Dienste einer vernünftigen Freiheit gewidmet war,"

Durch dasselbe Beispiel ließe sich zeigen, wie der edle Graf durchHalbkcnntnisse getäuscht wird, Burken nämlich gebührt keineswegsdas Lob, das er ihm spendet; denn ihm fehlt jene Lonsislsnvzgwelche die Engländer für die erste Tilgend eines Staatsmanneshalten, Burke besaß nur rhetorische Talente, womit er in der zweitenHälfte seines Lebens die liberalen Grundsätze bekämpfte, denen er inder ersten Hälfte gehuldigt hatte. Ob er durch diesen Gesinnungs-wechsel die Gunst der Großen crkriechen wollte, ob Sheridans liberaleTriumphe in St, Stephan auS Depit und Eifersucht ihn bestimmten,als dessen Gegner jene mittelalterliche Vergangenheit zu verfechten,die ein ergiebigeres Feld für romantische Schilderungen und rednerischeFiguren darbot, ob er ein Schurke oder ein Narr war, das weißich nicht. Aber ich glaube, daß es immer verdächtig ist, wenn man