ermischte Hchrifien.
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Einleitung zu „Rahldorf über den Adel,
in Briefen an den Grasen M, von Mvltke."(1831.)
Der gallische Hahn hat jetzt zum zweiten Male gekräht, undauch in Deutschland wird es Tag. In entlegene Klöster, Schlösser,Hansestädte und dergleichen letzte Schlupfwinkel des Mittelaltersflüchten sich die unheimlichen Schatten und Gespenster, die Sonnen-strählen blitzen, wir reiben uns die Augen, das holde Licht dringtuns ins Herz, das wache Leben nmrauscht uns, wir sind erstaunt,wir befragen einander: Was thaten wir in der vergangenen Nacht?
Nun ja, wir träumten in unserer deutschen Weise, d. h. wirphilosophierten. Zwar nicht über die Dinge, die uns zunächst be-trafen oder zunächst passierten, sondern wir philosophierten über dieI Realität der Dinge an und für sich, über die letzten Gründe derDinge und ähnliche metaphysische und transcendentale Träume,wobei uns der Mordspektakel der westlichen Nachbarschaft zuweilenrecht störsam wurde, ja sogar recht verdrießlich, da nicht selten diefranzösischen Flintenkngeln in unsere philosophischen Systeme hincin-Pfiffen und ganze Fetzen davon fvrtfegten.
Seltsam ist es, daß das praktische Treiben unserer Nachbarnjenseits des Rheins dennoch eine eigene Wahlverwandtschaft hattemit unseren philosophischen Träumen im geruhsamen Deutschland.Man vergleiche nur die Geschichte der französischen Revolution mitder Geschichte der deutschen Philosophie, und man sollte glauben:die Franzosen, denen so viel wirkliche Geschäfte oblagen, wobei siedurchaus wach bleiben mußten, hätten uns Deutsche ersucht, unter-dessen für sie zu schlafen und zu träumen, und unsere deutschePhilosophie sei nichts anderes, als der Traum der französischenRevolution. So hatten wir den Bruch mit dein Bestehenden undder Überlieferung im Reiche des Gedankens, ebenso wie dieFranzosen im Gebiete der Gesellschaft, um die Kritik der reinen Ver-nunft sammelten sich unsere philosophischen Jakobiner, die nichts