— 199 —
eben so verwerflich ist, wie die hohle Nachahmungdes klassischen Pathos. Sic kennen zur Genüge,lieber Lcwald, das Natttrlichkcitssystcm, den Jff-landianismus, der einst in Deutschland grassierte,und von Weimar aus, besonders durch den Ein-fluss von Schiller und Goethe, besiegt wurde. Einsolches NatürlichkeitSsystcm will sich auch hier aus-breiten, und seine Anhänger eifern gegen metrischeForm und gemessenen Vortrag. Wenn crstcrc nurin dem Alexandriner und letzterer nur in dem Zit-tcrgegröhle der älteren Periode bestehen soll, so hät-ten diese Leute Recht, und die schlichte Prosa undder nüchternste Gescllschaftston wären ersprießlicherfür die Bühne. Aber die wahre Tragödie muss als-dann untergehen. Diese fordert Rhythmus der Spra-che und eine von dem Gescllschaftston verschiedeneDeklamation. Ich möchte Dergleichen fast für alledramatische Erzeugnisse in Anspruch nehmen. We-nigstens sei die Bühne niemals eine banale Wie-derholung des Lebens, und sie zeige dasselbe ineiner gewissen vornehmen Veredlung, die sich, wennauch nicht in Wortmaß und Vortrag, doch in demGrundton, in der inneren Feierlichkeit eines Stückes,ausspricht. Denn das Theater ist eine andere Welt,die von der unsrigcn geschieden ist, wie die Sccncvom Parterre. Zwischen dem Theater und der Wirk-