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11 (1862) Französische Zustände : Th. 4, Kunstberichte aus Paris
Entstehung
Seite
174
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gelockerten Boden fallen die Samenkörner jenerspiritualistischcn Irrlehren, deren Gift den socialenZustand Frankreichs aufs unhcilsamste verschlimmert.

Täglich steigert sich meine Angst über die Krisen,die dieser sociale Zustand Frankreichs hervorbringenkann; wenn die Franzosen nur im mindesten an dieZukunft dächten, könnten sie auch keinen Augenblickmit Ruhe ihres Daseins froh werden. Und wirklichfreuen sie sich dessen nie mit Ruhe. Sic sitzen nichtgemächlich am Bankette des Lebens, sondern sie ver-schlucken dort eilig die holden Gerichte, stürzen densüßen Trank hastig in den Schlund, und können sichdem Genüsse nie mit Wohlbehagen hingeben. Sicmahnen mich an den alten Holzschnitt in unsererHauSbibel, wo die Kinder Israel vor dem Auszugaus Ägypten das Passahfcst begehen, und stehend,rciscgerüstet und den Wandcrstab in den Händen,ihren Lämmcrbraten verzehren. Werden uns inDeutschland die Lebenswonncn auch viel spärlicherzugethcilt, so ist es uns doch vergönnt, sie mit be-haglichster Ruhe zu genießen. Unsere Tage gleitensanft dahin, wie ein Haar, welches man durch dieMilch zieht.

Liebster Lewald, der letztere Vergleich ist nichtvon mir, sondern von einem Rabbinen; ich las ihnunlängst in einer Blumenlesc rabbinischer Poesie,