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11 (1862) Französische Zustände : Th. 4, Kunstberichte aus Paris
Entstehung
Seite
166
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wir über dic Natur der Flamme nur durch Hören-sagen oder Bücher unterrichtet werden. Leute, dicam Nordpol der Gesellschaft leben, haben keinenBegriff davon, wie leicht in dem heißen Klima derfranzösischen Socictät dic Herzen sich entzünden odergar während den Zuliustagen die Köpfe von dentollsten Sonnenstichen erhitzt sind. Hören wir, wiesie dort schreien, und sehen wir, wie sie Gesichterschneiden, wenn dergleichen Gluthen ihnen Hirn undHerz versengen, so sind wir Deutschen schier ver-wundert und schütteln dic Köpfe, und erklären Allesfür Unnatur oder gar Wahnsinn.

Wie wir Deutsche in den Werken französischerDichter den unaufhörlichen Sturm und Drang derPassion nicht begreifen können, so unbegreiflich istden Franzosen die stille Heimlichkeit, das ahnnngs-nnd crinnerungssüchtigc Traumleben, das selbst inden leidenschaftlich bewegtesten Dichtungen der Deut-schen beständig hervortritt. Menschen, dic nur anden Tag denken, nur dem Tage dic höchste Gel-tung zuerkennen und ihn daher auch mit der erstaun-lichsten Sicherheit handhaben, Diese begreifen nichtdie Gcfühlswcise eines Volkes, das nur ein Gesternund ein Morgen, aber kein Heute hat, das sich derVergangenheit beständig erinnert und dic Zukunftbeständig ahnet, aber die Gegenwart nimmermehr