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Vernunft, die man an dic Stelle der Religion auf-gepflanzt hat. Aber nicht einmal diese armselig wur-zellose, nur auf Vernunft gestützte Moral wird hiergehörig respektiert, und dic Gesellschaft huldigt nurder Konvcnicnz, welche nichts Anderes ist, als derSchein der Moral, dic Verpflichtung einer sorgfäl-tigen Vermeidung alles Dessen, was einen öffent-lichen Skandal hervorbringen kann; ich sage: einenöffentlichen, nicht einen heimlichen Skandal, dennalles Skandalöse, was nicht zur Erscheinung kommt,existiert nicht für dic Gesellschaft; sie bestraft dicSünde nur in Fällen, wo dic Zungen allzu lautmurmeln. Und selbst dann gicbt es gnädige Milde-rungen. Dic Sünderin wird nicht früher ganz ver-dammt, als bis der Ehegatte selbst sein Schuldigausspricht. Der verrufensten Mcssalinc öffnen sichdic Flügelthore dcS französischen Salons, so langedas eheliche Hornvieh geduldig an ihrer Seite hin-eintreibt. Dagegen das Mädchen, das sich wahn-sinnig großmüthig, weiblich aufopferungsvoll in dieArme des Geliebten wirft, ist auf immer aus derGesellschaft verbannt. Aber Dieses geschieht selten,erstens weil Mädchen hier zu Lande nie lieben, undzweitens weil sie im Licbcsfalle sich so bald als mög-lich zu vcrhcirathcn suchen, um jener Freiheit thcil-