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91. An W. Höring (Willibald Alexis).
Hamburg, den 17. Januar 1831.
So geht's, lieber Höring; man will ausführ-lich lange Briefe schreiben und schiebt's auf vonTag zu Tag, in Erwartung einer allerbesten Stunde,und da geschieht's dass man plötzlich Etwas mit-zutheilen hat, und man muss in der schlechtestenStunde den kurzgefasstesten Brief hinkratzen. Sogeht's mir heute. Einer meiner Freunde, A, Lewald,ersucht mich, Ihnen beikommende Novelle zu schicken,die im zweiten Theil seiner Novellcnsammlung er-scheinen wird. Er wünscht, sie im „Freimttthigen"abgedruckt zu sehen, und dieser Abdruck müsste un-verzüglich stattfinden. Ich denke, diese Novelle wirdIhnen gefallen und das große Erzähluugstalentdes Verfassers erkennen lassen. Er weiß zu erzäh-len und die Figuren zur Anschauung zu bringen,und ich habe ihm das Prognostikon gestellt, dasser einst in seinem Fache zu den beliebtesten Schrift-stellern gehören wird. Ich habe ihn eben durchseine Arbeiten erst kennen lernen, und das günstigeVorurtheil, das ich hege, ist daher keine Partei-lichkeit. Ich wünsche, lieber Höring, dass Sie denersten Band von Lcwald's Novellen, der jüngst er-