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§. 22s. Beschreibung und Gebrauch der astronom. Instrumente. 7^
niatischen Personen und an die schändlichen Hexenprozesse, denen soviele Unschuldige zum Opfer gebracht wurden. Der Mensch ist halbGeist, halb Körper, wie der Polyp halb Pflanze und halb Thier — undan den Gränzen liegen immer die sonderbarsten Geschöpfe. Durch dieseSonderbarkeit selbst wird schon das Interesse der Untersuchung vermehrt,wenn sie auch nicht sonst schon so innig mit unserem eigenen Wohl undWehe verbunden wäre. Was ist kläglicher, als ein von Vorurtheilenbefangener Geist, den Vistonen und leere Träume fesseln, der immerfürchtet und keinen Augenblick steh seines Daseyns rein erfreuen kann.Und, welches Mittel gibt es gegen dieses Unglück, als Bildung undAufklärung als wahre Erkenntniß der Natur und unserer eigenen Be-stimmung? — Nur mit Schauder kann man an die vielen und trauri-gen Verirrungen denken, welchen sich nicht bloß der Einzelne, sondernsogar ganze Völkerschaften durch mehrere Jahrhunderte ohne Anstandund mit einer Hartnäckigkeit hingegeben haben, die weder die Vernunft,noch die Erfahrung, noch das Unglück selbst in seiner häßlichsten Ge-stalt, zu besiegen vermochten. Diese Vorurtheile erbitterten ihr Leben,hielten sie in beständiger Vesorgniß, verfolgten sie bis in ihre Träume —aber alles dieß vermochte nichts über das arme Menschengeschlecht, dassich allen Qualen der Einbildungskraft willig hingab, um nur dadurchseine Lust zu büßen, in der Zukunft zu lesen und das Unmögliche mög-lich zu machen.
Müssen wir nicht den Grund einer so betrübenden und so allgemei-nen Erscheinung in derselben inneren Einrichtung unseres Wesens, injener geistigen Physiologie suchen, die dort anfängt, wo unsere materiellePhysiologie aufhört, und die ohne Zweifel, so wie diese, bestimmten Ge-setzen unterworfen ist, deren nähere Kenntniß uns daher nicht andersals höchst interessant und nützlich zugleich seyn kann. Schon hat manes versucht, einige dieser Erscheinungen aus dem Dunkel hervorzuziehen,in welchem sie bisher verborgen waren, und auf sie die Wahrscheinlich-keitsrechnung anzuwenden. Aber diese Versuche sind noch zu neu unddie Untersuchungen selbst vielleicht zu schwer, als daß man sobald schonihrer Vollendung entgegen sehen sollte. Hier wird es genügen, nureinige der vorzüglichsten derselben kurz anzudeuten.
H. 229. (Anwendung der Wahrscheinlichkeitsrechnung auf das öffentlicheLeben.) Da auf das Zusammenleben der Menschen in ganzen Völker-schaften so viele äußere und innere Ursachen einwirken, so wird es selbstdem scharfsinnigsten Beobachter oft unmöglich, diese Wirkungen von ein-ander zu trennen und sich bis zu einer klaren Ansicht des Gegenstandes?zu erheben. Auch fehlt es uns hier mehr, als sonst wo, anIst»läng-lichen Erfahrungen. Hätte man z. B. in jedem Zweige der öffentlichenAdministration die seit Jahrhunderten neu eingeführten Experimentemit ihren guten oder bösen Folgen genau aufgezeichnet, so würde manjetzt über den Nutzen oder Schaden derselben ein bestimmtes Urtheil fal-len können. Aber wie wenige allgemeine und vollkommen bewährte Re-geln wird man über diesen so wichtigen Gegenstand anführen können. >So scheint es uns allen klar, daß man dem unabweislichen gortgangedes Ganzen der menschlichen Gesellschaft, in materiellerler Hinsicht, keinen Damm entgegen setzen soll; aber es ist wohl nichtminder gewiß, daß man jede größere Veränderung nur mit der äußer-sten Umsicht vornehmen darf, wenn man nicht auf neue, oft ganz unbe-siegbare Hindernisse stoßen will. Die Vergangenheit kennen wtv bereitsdurch unsere eigene Erfahrungen: aber die Uebel, welche jede Neuerung
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