H. >99. Beschreibung und Gebrauch der astronom. Instrumente. 72?
um seinen Mittelpunkt so lange drehen, bis der Faden, seiner ganzenLänge nach, immer scharf auf dem Objekte bleibt. Dann stellt manauch den zweiten oder vertikalen Faden, oder eigentlich nur den dem ho-rizontalen zunächst stehenden Theil desselben, auf jenen terrestrischen Ge-genstand und liest dabei den Azimutalkreis ä! ab. Jetzt dreht man dieKreise auf die entgegengesetzte Seite der vertikalen Axe üX, bis derHorizontalkreis genau 180 Grade mehr zeigt, als in der ersten Lage,und steht nun zu, ob der vertikale Faden auch in dieser zweiten Lage dasterrestrische Objekt wieder genau treffe. Hat dieß nicht statt, so verbes-sert man die Hälfte des so gefundenen Fehlers durch diejenige Schraube,welche das Fadennetz in horizontaler Richtung zu bewegen bestimmt ist.Eine Wiederholung dieses Verfahrens wird den noch übrig gebliebenenFehler bald bis zur völligen Unmerklichkeit desselben vermindern.
H. 199. (Theodolit.) Dieses Instrument unterscheidet sich nicht we-sentlich von dem Multiplikationskreise; die Bauart und Einrichtung istin beiden dieselbe, nur daß bei dem Multiplikationskreise der Höhen-kreis, bei dem Theodoliten aber der Horizontalkreis der wichtigere unddaher auch der mit mehr Sorgfalt von dem Künstler ausgearbeitete ist.Aus dieser Ursache wird auch der Theodolit mehr zu geodätischen Mes-sungen, für irdische Gegenstände, gebraucht, wo man vorzüglich die hori-zontale Distanz derselben sucht, während der Multiplikationskreis, wiewir gesehen haben, besonders zur Beobachtung der Höhe der Gestirnebestimmt ist. Es wäre aber wünschenswerth, beide Kreise bei beidenInstrumenten gleich groß und gleich gut zu machen, damit jedes dersel-ben zu dem geodätischen sowohl, als astronomischen Zwecke brauch-bar werde.
Der Theodolit ist in Fig. 109 vorgestellt. Man sieht hier wiederdie drei starken Fußschrauben X, Xch X" des dreiarmigen Fußgestells;diese Arme sind an ihren Enden, wo sie die Fußschrauben aufnehmen, inzwei Theile gespalten, und diese Theile können durch eigene Seitenschrau-ben X, XI X" einander genähert werden, um jede Wankung der Fuß-schrauben zu verhindern. Diese letzten Schrauben laufen an ihren un-teren Enden in eine konische Stahlspitze aus, die in einer ähnlichen ko-nischen Vertiefung einer starken Metallscheibe sich bewegt,welche Scheiben an ihrer untern Seite mit anderen drei kurzen, konischenStahlspitzen versehen sind, womit sie fest und unverrückbar auf dem Be-obachtungstische X aufliegen. An der untern Seite dieser drei Armedes Fnßgestelles ist wieder (wie bei Fig. 107) die metallene Spange ni eangeschraubt. Auf dieser Spange steht die eigentliche vertikale Drehungs-are XX des Theodoliten, die sich in dem hohlen Cylinder frei bewegt,und an deren oberen Ende der Horizontalkreis XiX senkrecht aufjene Ave befestiget ist. Dieser Horizontalkreis ist entweder ein einfacherKreis, über dessen Ebene eine in dem Mittelpunkte desselben, unter X,an die Axe XX befestigte Alhidade, die an ihrem anderen Ende miteinem Verniere versehen ist, auf und ab läuft, oder er besteht, wie beidem Multiplikationskreise, aus zwei koncentrischen Kreisen, von welchender äußere oder größere durch eine eigene Druckschraube an die Hülseder vertikalen Axe XX befestiget werden kann, während der innere,das Fernrohr und den Höhenkreis tragende Kreis sich entweder innerhalbdes festen äußeren frei drehen oder, wenn er durch seine Druck>chraubean diesen äußeren Kreis befestiget wird, mit diesem zugleich um die AxeXX rotiren kann, um dadurch die gemessenen horizontalen Winkel aufdieselbe Weise zu multipliciren, wie dieß oben für das in Fig. 107 ab-gebildete Instrument bei den Höhenwinkeln gezeigt worden ist.