Beschreibung und Gebrauch der astronom. Instruments. h. 191.
Da in beiden Beobachtungen der Stern denselben Ort am Himmeleinnehmen, also im Meridian seyn muß, und da jeder Stern, wegen dertäglichen Bewegung des Himmels nur einen Augenblick im Meridianist, so wird man jene zwei Beobachtungen in zwei nächstfolgenden Tagen,zur Zeit der beiden Cnlminativnen des Sterns, anstellen. Wenn manaber das Instrument schnell genug umkehren -kann, um das Gestirn inbeiden Lagen des Kreises noch im Fernrohre sehen zu können, was z. B.bei dem sich sehr langsam bewegenden Polarstern statt hat, so kann mandiese beiden Beobachtungen auch schon in einem einzigen Tage, ja inwenigen Minuten vollenden. Zwar beobachtet man dann beidemale denStern nicht in, sondern außer dem Meridian und in unter sich verschie-denen Höhen; aber da die Gestirne in der Nähe des Meridians ihreHöhe nur sehr wenig ändern, so kann man diese Aenderung ihrer Höhebis zu ihrer Meridianhöhe sehr leicht und sicher berechnen und selbstohne alle Rechnung unmittelbar aus den Beobachtungen ableiten. EinBeispiel wird dieß sogleich deutlich machen.
Gesetzt man hätte einen Stern zweimal in der östlichen und ebenso oft in der westlichen Stellung des Kreises zu folgenden Sternzeitenbeobachtet:
Beobachtete ZenithdistanzSternzeit. des Sterns.
Kreis Ost . . 18" 57' ZI" 40° 0' ZU"
18 58 48 39 59 54
Kreis West . 19 ! 24 4Z 34 23
19 3 20 43 33 30
Diese vier Beobachtungen sind zwar zu verschiedenen Zeiten gemachtworden, wo also auch der Stern verschiedene Höhen hatte, so daß da-her diese Beobachtungen unmittelbar untereinander nicht verglichen wer-den können. Dieß könnten sie nur, wenn alle vier in einem und dem-selben Augenblicke z. B., um die Mitte aus allen jenen vier Sternzeiten,also um die Sternzeit 19" 0' 11" beobachtet worden wären. Allein aufdiese Zeit lassen sich jene Beobachtungen leicht zurückführen, da aus ih-nen selbst die Veränderung der Zenithdistanzen des Sterns für jede ge-
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sie
nso zeigen die beidenletzten, d aß in der Zeit von l' 56" di e Zenithdistanz um 53" abnimmt,also wird sie auch in einer Zeitminute um 27.5" abnehmen. Wir kön-nen daher, im Mittel aus allen vier Beobachtungen, annehmen, daß dieZenithdistanz des Sterns in einer Zeitminute um 27.4" abnimmt.
Allein die erste Beobachtung ist von jener imaginären mittleren, dieum 19" 0' II" angestellt seyn soll, um 3.0, die zweite um 1.38, diedritte um 1.22 und die vierte endlich um 3.15 Zeitminuten entfernt.Multiplicirt man also diese vier Zahlen durch 27.4, so erhält man dieReduktionen, die man an die vier beobachteten Zenithdistanzen anbringenmuß, um sie alle auf jene imaginäre um 19" 0' 11" angestellte Zemth-distanz zu bringen. Man hat so
Beob. Zenithdistanz. Reduktion. imag. Zenithdistanz.
s. 40° 0' 39" I' 22.2" 39° 59' 16.8" 1 «...
U. 39 59 54 0 37.8 39 59 16.2 1
M. 43 34 23 0 33.4 43 34 56 4 1
N . 43 33 30 1 26.3 43 34 56.3 s Krels West.