§. i84. Beschreibung und Gebrauch der astronom. Instrumente.
so sieht man aus der oben (l. H. 158) gegebenen Tafel, daß die Zeit-gleichung am 2. 'April 3 Minuten 42 Sekunden beträgt, so daß also tuegesuchte mittlere Zeit jenes Tages 3 Stunde», 18 Minute», 10 Sekun-den ist, oder daß die Uhr an diesem Tage um 2 Minuten 38 Sekundengegen mittlere Zeit zu früh geht, und so fort mit allen andern Tagen'des Jahres.
H. 184. (Sonnenuhren.) Nachdem wir unS über den wichtigen Ge-genstand der Zeitbestimmung so umständlich verbreitet haben, würde eöunangemessen scheinen, eines der im gemeinen Leben gewöhnlichstenMittel zu diesem Zwecke hier ganz mit Stillschweigen zu übergehen.
Unsere Erde bewegt sich in einem Sterntage um ihre 3lxe von Westnach Ost, und zwar, wie wir oben gesehen haben, auf eine ganz gleich-förmige Weise oder mit einer völlig unveränderlichen Geschwindigkeit.Wir haben bereits früher gezeigt, daß man sich die daraus folgendenErscheinungen ganz eben so gut dadurch erklären kann, daß man dieErde in Ruhe läßt, und dafür den ganzen Himmel in derselben Zeit,aber in verkehrter Richtung, oder von Ost nach West, sich um die Erdebewegen läßt. Nehmen wir diese letztere, als die gewöhnlichste undaugenfälligste Erklärung an, so würde also die Sonne, wenn sie immerdenselben Ort am Himmel einnähme, so wie alle Fixsterne, währendjeden SterntageS um die ruhende Erdaxe die ganze Peripherie einesKreises zurücklegen. Denken wir uns hinter der Erde, auf der der Sonneentgegengesetzten Seite, irgend eine ebene oder krumme, aber feste undunveränderliche Fläche, so wird der Schatten, welchen die von der Sonnebeschienene Erdaxe hinter sich wirft, auf diese Ebene fallen und auf ihreben so gleichförmig weiter gehen, wie die Sonne selbst mit dem ganzenHimmel um die ruhende Erde in ihrer täglichen Bewegung weiter schrei-tet, und so oft diese Sonne, in den folgenden Tagen, von dem Meridianeines bestimmten Beobachters wieder dieselbe Entfernung, d. h. so oftdie Sonne wieder denselben Stundenwinkel hat, so oft wird auchder Schatten der Erdaxe wieder dieselbe Stelle auf jener Ebene ein-nehmen, so daß, wenn man nur einmal weiß, welche Stelle er für I,2, 3 . . Uhr einnimmt, man künftig auch immer rückwärts, aus demOrte des Schattens auf die ihm entsprechende Tageszeit, schließen wird.
Dabei haben wir vorausgesetzt, daß die Sonne, gleich einem Fixstern,immer dieselbe stelle an dem sich täglich um die Erde bewegendenHimmel, z. B. den Frühlingspuukt (I. H. 22), einnimmt. Setzen wirstatt dieser Sonne einen eben so hellen Fixstern in den Frühlingepunkt,so würden wir auf diese Weise, durch den Schatten auf unserer Fläche,eigentlich die verschiedenen Stunden des SterntagS erhalten. — Alleindie wahre Sonne steht nicht fest unter den anderen Sternen des Him-mels, sondern sie bewegt sich, wie wir oben gesehen haben, täglich naheeinen Grad gegen Osten, und zwar nicht alle Tage mit derielben, lvn-dern eigentlich mit einer veränderlichen Geschwindigkeit. Dadurch wirdaber unsere Sache nicht wesentlich geändert. Der Schatten der Erdaxe,wie dieselbe von der wahren Sonne beschienen wird, wird noch immerseinen täglichen Weg auf jeuer Fläche zurücklegen, und er wird auchauf derselben immer wieder dieselbe Stelle einnehmen, lo oft dieje wahreSonne dieselbe Stelle gegen den Meridian des Beobachters einnimmt,d. h. so oft die wahre Sonne, in dem Laufe eines jeden künftigen TageS,wieder denselben Stund en winke l hat. Der Schatten der Erdaxe aufjener Fläche wird also nicht mehr, wie zuvor, den Stundenwinkel desFrühlingspunkts, oder die Sternzeit, sondern er wird den Stundenwinkelder wahren Sonne, d. h. er wird die wahre Zeit (s. H. 155) angeben.
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