. Störungen der Planeten überhaupt. «8.
Augenblick veränderliche krumme Linie, deren nähere Bestimmung alleKräfte unserer Analyse übersteigt und so gut als ganz unmöglich ist.Dazu kömmt noch, daß die Ekliptik, auf die wir in unseren Rechnungenalle Orte der Planeten beziehen, durch eine ähnliche Wirkung aller Pla-neten auf die Erde, selbst wieder jeden Augenblick eine andere Lage ein-nimmt. Durch diese Aenderungen, so wie durch die bereits oben (i. Kap.12) betrachteten Veränderungen der Präcession und Nutation, wirdgleichsam die ganze Sphäre des Himmels erschüttert, der Anfangspunkt,von dem wir alle Orte der Gestirne zählen, verrückt, und aus dem letz-ten dieser Gestirne das erste, aus dem ersten das letzte gemacht, so daßan dem Himmel, an welchem wir früher nur Ordnung und Harmoniezu bewundern pflegten, jetzt alles Unordnung und Verwirrung wird, unddaß von der großen Karte, die wir uns von demselben entworfen haben,am Ende auch nicht ein einziger Punkt in Ruhe bleibt, durch welchenwir diese nach allen Richtungen unter einander verschlungene Bewegun-gen fesseln können. Um so weniger vermögen wir dieses verworreneChaos zu übersehen, da wir dasselbe nicht einmal von einem festen Stand-punkte, sondern wieder von einer jährlich um die Sonne, und täglichum sich selbst sich wälzende Kugel beobachten müssen, die überdieß selbstwieder von allen Planeten hin und wieder gezogen, und um die Ver-wirrung zu vollenden, noch mit einer Hülle umgeben ist, welche, dieQuelle unzähliger Täuschungen, uns kein einziges dieser Gestirne au demOrte erblicken läßt, welches dasselbe in der That am Himmel einnimmt-.
H. 68. (Schwierigkeit der Bestimmung derselben.) Aus diesem Ge-sichtspunkte betrachtet, erscheint uns die Bestimmung eines einzigen Or-tes am Himmel, und überhaupt die ganze Astronomie alle menschlichenKräfte weit zu übersteigen. In der That, wenn man bedenkt, wie vieleJahrtausende erfordert wurden, bis der menschliche Geist nur die größteund auffallendste und ihm zunächst liegende von allen diesen Erscheinun-gen, die Existenz der doppelten Bewegung seiner Erde, erkennen lernte,so muß man an der Auflösung dieses höchst verwickelten Problems selb,!für alle Folgezeit beinahe verzagen. Dieses Problem besteht nämlich,um es kurz zu sagen, im Folgenden: Wenn die Geschwindigkeiten unddie Richtungen dieser Geschwindigkeiten von nahe dreißig Himmelskör-pern gegeben sind, deren jeder alle anderen anzieht und von allen ande-ren angezogen wird, so soll man durch Rechnung den Ort und die Ge-schwindigkeit eines jeden dieser Körper für jeden Augenblick irgend einesverflossenen oder noch kommenden Jahrhunderts bestimmen. Die Stel-lungen dieser Körper unter einander ändern sich immerwährend, und mitjeder neuen Stellung wird auch eine neue Wirkung derselben auf einan-der erzeugt, und jede Veränderung dieser wirkenden Kraft bringt wiedereine neue Stellung dieser Körper gegen einander und gegen die Sonnehervor. Es war daher ein kühnes, ein beinahe verwegenes Unternehmendes menschlichen Geistes, sich an die Auflösung einer solchen Aufgabe zumachen.
Und doch hat man es gewagt, und glücklich gewagt. Dieß wirdauch der mit den Mitteln, die zu diesem Zwecke führen, ganz Unbekanntewillig zugeben, da jeder gemeine Kalender unwiderlegliche Beweise fürdiese Behauptung liefert. Die Astronomen berechnen in diesen Volks-büchern die Finsternisse der Sonne und des Mondes auf Secunden vor-aus, und Jedermann weiß aus eigener Erfahrung, wie genau sie zutref-fen. Sie haben Jahrhunderte vorher den Augenblick berechnet, wennauf einer bestimmten Stelle in Lappland oder auf der Insel Otaheiti dieVenus vor der Sonne erscheinen wird°. Voll Vertrauen in ihre Voraus-