464 Doppelsterne. §. 2,3.
Die Sonnenfinsternisse und Sternbedeckungen (I. H. 175) be-obachten die Astronomen mit besonderem Fleiße, weil sie die besten Mit-tel zur Bestimmung der geographischen Längen der Beobachtungsorteauf der Oberfläche der Erde darbieten. Auch sieht man zuweilen dieseSterne durch die Planeten, oder selbst, obwohl selten genug, einen Pla-neten durch den andern bedecken. Aber daß auch die Fixsterne sich untereinander bedecken sollten, dieß würde man noch vor wenig Jahren fürunmöglich gehalten haben.
Wenn aber die Ebene der Bahn des Doppelsterns so schief gegenunsere Gesichtslinie liegt, daß uns dieselbe nur mehr nahe wie einegerade Linie erscheint, und solcher Bahnen gibt es, wie wir oben gesehenhaben, mehrere, so wird uns eine solche Erscheinung nicht mehr wunder-bar vorkommen können. In diesem Falle scheint nämlich der Begleiterum seinen Centralftern eine gerade, durch diesen Stern gehende Liniezu beschreiben, und wenn er demselben auf diesem Wege nahe genugkömmt, so wird er ihn entweder bedecken oder von ihm bedeckt werden,je nachdem er, in Beziehung auf uns, vor oder hinter seinem Central-körper vorübergeht. Dieß ist z. B. der Fall mit dem Doppelftern r imSchlangenträger — 17I1 53', Pold. — 98° 10'). Der ältere Her-schel sab ihn im Jahr 1781 noch als einen, obschon bereits sehr nahenDoppelftern. Sein Sohn und auch Struve sahen ihn im Jahr 1828nur mehr einfach, aber doch noch in einer länglichen Gestalt. Jetzt abererscheint er, selbst durch die besten Fernröhre, als ein vollkommen ein-facher, runder Stern. Räch einigen Jahren werden wir ihn ohne Zwei-fel wieder doppelt sehen.
Der Doppelftern ? Orion im Gegentheile wurde von dem älterenHerschel vor fünfzig Jahren als ein bestimmt einfacher Stern bemerkt,während er jetzt zu den Doppelfternen gehört, dessen Distanz wohl nochsehr klein ist, aber doch deutlich mit der Zeit wächst. Dasselbe ist derFall mit 5 Hercules und ö Schwan, die früher ebenfalls einfach warenund jetzt doppelt gesehen werden. Auch die Bahn von 7 Jungfrau liegtsehr schief gegen uns, und die Distanz dieses Doppelsterns wurde in denletzten Zeiten so klein (sie war im Jahr 1830 nur mehr i."5), daß manschon einer Bedeckung desselben entgegen sah, allein seitdem wächst dieseDistanz wieder, und die Ebene der Bahn geht also nicht genau durchunsere Sonne, daher auch der Begleiter über dem Centralftern vor-beiging. "
H. 2l3. (Erste Meinung von den Doppelsternen.) Als Herschel imJahr 1780 sich mit diesen Gestirnen zu beschäftigen anfing, hatte er dieAnsicht, daß sie alle, oder doch die meisten nur optisch doppelt wären,daß sie also, wenn gleich vielleicht in sehr großen Entfernungen hintereinander, doch für uns nahe auf derselben Gesichtslinie stehen. Er sahbald, daß sie, wenn anders diese Meinung gegründet ist, ein sehr gutesMittel zur Bestimmung der Parallaxe des näheren Sterns geben würde,und dieß war auch der Zweck, welchen er durch die Beobachtung dieserGestirne zu erreichen suchte. — Wenn wir nämlich einen solchen Doppel-ftern von den entgegengesetzten Punkten der jährlichen Bahn der Erdeum die Sonne, also zu zwei um ein halbes Jahr von einander entfern-ten Zeiten, beobachten, so wird der nächste von beiden seinen Ort gegenden weitern unbeweglichen zu ändern scheinen, und aus diesen Aende-rungen wird sich die Entfernung desselben von der Erde um so sichererableiten lassen, als die Vergleichung der Distanz der beiden Sterne sichhier mit der größten Schärfe anstellen läßt. Allein, wie es öfter zugehen pflegt, er fand nicht, was er suchte: die Parallaxe der Fixsterne;