. Kometen. §. i8«.
Doch vielleicht sind alle diese Extreme nur scheinbar, und die Natur,
der ein unerschöpflicher Reichthum von Mitteln zu Gebote sieht, ihreZwecke zu erreichen, wird auch dort Wege gefunden haben, diese Hinder-nisse zu besiegen, oder ihnen in dem Bau und der Einrichtung ihrer Ge-schöpfe entgegen zu arbeiten. Es ist möglich, daß die ungemein zartenStoffe, aus welchen die Kometen gewebt pnd, auch feiner organistrten,höheren geistigen Wesen zum Aufenthalte und zum Verbindungsmittelmit der sie umgebenden Welt dienen. Vielleicht sind ihre Geister anintellectuellen Kräften den unseren weit überlegen, da sie sich in ihrenätherischen Körpern freier bewegen können, in Körpern, welche, einerhöheren Ordnuug der Sinnenwelt angehörend, für Hitze und Kälte undfür alle andere thierische Empfindungen weniger Empfänglichkeit habenmögen. Wissen wir doch, daß nicht die größere Nähe der Sonne es ist,welche die höhere Temperatur unserer Sommer erzeugt, da uns dieSonne im Winter in der That näher ist, als im Sommer (I. tz. 152).Sehen wir doch die Möglichkeit ein, daß diese Sonne kein eigentlichesFeuer seyn muß, und daß die Bewohner derselben, wenn es deren gibt,sich vielleicht mehr über Kälte, als über eine zu große Hitze beklagenkönnen. (Vergl. II. H. 27.) Ihre Strahlen wenigstens, so nothwendigsie auch zur Hervorbringung der Wärme auf unserer Erde seyn mögen,scheinen selbst nicht zu wärmen, sondern nur die in den Körpern verborgeneund ihnen eigenthümliche Wärme zu erwecken. Diese Erregbarkeit derKörper für den Wärmestoff durch die Sonnenstrahlen kann nun bei denKometen eine ganz andere seyn, als bei uns, ja sie kann dort selbst.gänzlich wegfallen. Warum hat man an dem schon öfter erwähntengroßen Kometen von 1680 nach seinem Durchgange durch das PeriHe-lium keine Aenderung bemerkt, da er doch (II. H. 167) der Sonne sonahe kam, daß er beinahe die Oberfläche derselben streifte? Könnte nichteben die ungeheuere Ausdehnung, welche die Masse der Kometen bei ih-rer Annäherung zur Sonne erleidet, uud wodurch sie größtentheils nur ineine äußerst lockere Dunstmasse aufgelöst werden, könnte diese gewaltigeAusdehnung nicht zugleich ein mächtiges Schutzmittel gegen die dortherrschende Hitze seyn und eine wahre Abkühlung desselben erzeugen?Diese Ausdehnung wird offenbar am stärksten auf der der Sonne zuge-kehrten Seite des Kometen seyn, nach welcher daher die dichtere undkältere Luft der andern Seite mit Gewalt hinströmen und dadurch einenimmer kühlenden Luftzug erregen kann. Diese Ausdehnbarkeit, dieseungemeine Elasticität der Kometenmasse mag sie selbst ganz besondersgegen die Extreme der Temperatur beschützen, welchen sie auf ihrer wei-ten Reise ausgesetzt sind. Wir nutzen, daß auf den Gipfeln unsererBerge, wegen der dort schon sehr verdünnten Luft, die Kälte viel größerist, als in den Thälern, wo die dichtere Luft die Wärme so stark beför-dert. Ganz eben so, nur in einem viel höheren Grade, mag es auchmit den Kometen gehen. Wenn ihre Masse, zur Zeit der Perihelien,durch die Sonnenhitze sehr verdünnt und beinahe in eine bloße Luftartausgedehnt wird, muß eben diese Verdünnung wieder Kühle erzeugen,und wenn im Gegentheile, in ihren Aphelien, dieselbe Masse durch diedort herrschende Kälte vielleicht zu der Dichtigkeit unserer Steine undMetalle zusammengepreßt wird, muß durch eben diese Verdichtung wie-der eine große Menge Wärmestoffes frei werden. Auf diese Weise mag -den Kometen jene wunderbare, veränderliche Dunfthülle als ein füralle Fälle bequemer Reisemantel, als ein warmer Pelz im Winter undzugleich als ein kühlender Sonnenschirm im Sommer dienen. Wenndiese Himmelswanderer aus der Tiefe des Welltalls, aus jenen eisigen