5- l55.
Kometen.
403
Messier und PonS mit diesem Gegenstande so eifrig beschäftigten , batsich der Fleiß und das Gluck, diese Himmelskörper aufzuspüren, so sebrvermehrt, daß man jetzt beinahe in jedem Jahre zwei bis drei neueKometen findet. Wenn unsere Vorgänger eben so begünstigt gewesenwären, wie viele Kometen wurden wir jetzt schon kennen gelernt habenin den sechstausend Jahren, seit welchen, wie wenigstens die Juden zäh-len, unsere Erde entstanden seyn soll? Ans jedes Jahr zwei gerechnet,würden wir schon 12000 derselben in unseren Verzeichnissen haben, unddiese würden noch keineswegs alle seyn, welche in dieser Zeit der Erdein der That nahe kamen. Denn viele dieser Körper haben zu der Zeit,wo sie in die Nähe der Erde hinabsteigen, eine zu südliche Lage undhalten sich daher nur unter den Fixsternen des südlichen Himmels, inder Nahe des Südpols unseres Aeguators auf, welche Gegend von denBewohnern Europa's nicht gesehen werden kann, weil sie ihnen von derErde selbst verdeckt wird. (I. H. 8.) Die Leute im Staatenlande oderdie Wilden in Nenhvlland haben sie vielleicht gesehen, aber von diesenErscheinungen ist keine Nachricht zu uns gekommen, da man in jenenLändern weder Geschichte zu schreiben, noch Kometen zu beobachten pftegt.Wieder andere hielten sich, wenn sie der Erde nahe kamen, nur unterdenjenigen Sternbildern auf, in deren Nähe sich zugleich die Sonnebewegte: sie waren also nur bei Tage über dem Horizonte und konntenaus dieser Ursache wieder nicht gesehen werden. Viele andere endlichmochten nur zur Zeit einer trüben Witterung, bei bedecktem Himmelerscheinen und mußten deßwegen ebenfalls unbemerkt bleiben. Immer-hin sieht man schon aus diesen allgemeinen Andentungen, daß die Zahldieser Himmelskörper die oben erwähnte gewiß weit übersteigt.
Wir haben bereits öfter bemerkt, daß die Planeten, wenigstens dieälteren, durchaus nur eine sebr kleine Neigung gegen die Ekliptik ha-ben, und daß sie sieb alle nur nach einer Richtung/von West gegen Oft,bewegen. Beides ist bei den Kometen nicht mehr der Fall. Diese bewe-gen sich in allen möglichen Richtungen um die Sonne, und die Neigun-gen ihrer Bahnen umfassen alle Winkel von Null bis zu 180 Graden.Wenn also die Perihelien der Planeten, und überhaupt ihre ganzenBahnen, sämmtlich sehr nahe in einer einzigen Ebene liegen, so sinddafür die Perihelien der Kometeubahnen rings um die Sonne nach allenRichtungen, nicht mehr in einer Ebene, sondern gleichsam in einem ku-gelförmigen Raume vertheilt. Da diese Himmelskörper, wie wir baldsehen werden, sehr langgestreckte elliptische Bahnen beschreiben, auf wel-chen sie sich, in ihren Aphelien. sehr weit von der Sonne entfernen, sokann man sie im Allgemeinen nur dann gut sehen, wenn sie in der Näheihrer Perihelien sind, oder wenn sie nahe zur Sonne, also auch näherzur Erde kommen, weil diese, in Beziehung auf jene großen Kometen-Nahnen, selbst nie weit von der Sonne entfernt ist.
Nun findet man aber, daß von den bisher beobachteten Kometen 20ihre Perihelien innerhalb der Merkursbahn, und schon nabe 70 inner-halb der viel größeren Venusbahn liegen haben. Diese beiden Zahlenverhalten sich aber nahe wie die Quadrate der Halbmesser dieser beidenPlanetenbahnen. Denn, wenn man, nach Taf. 1i>. des vorhergehendenKapitels, den Salbmesser der Merkursbahn für die Einheit annimmt,so ist der Salbmesser der Venusbabn gleich 1.87 und das Quadrat der-selben 3N/ und eben so ist auch 70 durch 20 divldlrt gleich llssz. Setztman dieses Verhältniß der Quadrate der Halbmesser, für dessen Wahr-scheinlichkeit man auch noch andere gute, geometrische Grunde hat, aufdie übrigen Planetenbahnen fort, so würde daraus folgen, daß tue