378 Der Mond. §.
benwechsel, der auf dem Monde Statt hat, zu erklären, ohne wenigstenshie und da spiegelähnliche Flächen anzunehmen. Immer scheint dasganze mehr vulkanischen, als neptunischen Ursprungs zu seyn, wofürschon der Anblick des Mondes und selbst die oben erwähnten Kegel inder Mitte der Ringgebirge sprechen, da sie wohl nichts anderes sind, alsneue Versuche jener innern elastischen Kraft, noch mehr Masse auszu-werfen, wie man denn diese Kegel selbst in den großen Kratern, ganzso wie bei unseren Vulkanen, findet. Es ist möglich, es ist sogar sehrwahrscheinlich, daß dieser Himmelskörper, dem es jetzt an Luft undWasser fehlt, seit jener großen Revolution nur mehr ein trockenes, nack-tes Felsengerippe ist, auf welchem vielleicht weder Vegetation, noch Le-ben, noch irgend eine Bewegung, sondern nur ewige Ruhe und Grabes-stille herrscht, und daß daher der Mond entweder sich selbst überlebt hatund nun als unbrauchbarer Schlacken aus der Reihe bewohnbarer Wel-ten herausgetreten ist, oder daß er in einer Art von Verpuppung seinemneuen, bessern Leben, seiner Auferstehung entgegen schlummert.
H. 141. (Topographie des Mondes.) Schon gleich nach der Erfin-dung der Fernröhre, im Anfange des stebenzehnten Jahrhunderts, be-mühten sich Galilei, Scheiner und Schirläus, ein Bild der Oberflächedieses Gestirns in einer Zeichnung zu entwerfen. Aber diese ersten undunvollkommenen Versuche blieben weit hinter denjenigen Zeichnungen derOberfläche des Mondes zurück, die Hevel in seiner 8eIen0KvapIiia i. I.1640 herausgegeben hat. Selbst die i. I. 1651 von Riccioli in seinem
liovnin mitgetheilte Karte ist weit unter jener von Hevel.Aber die von Dominic Cassini i. I. 1680 herausgegebene Mondkarte,im Durchmesser von 20 Zollen, übertraf alle ihre Vorgänger, da sienicht nur, wie jene, ein getreues Bild der einzelnen Mondesflecken, son-dern auch zugleich die gegenseitige Lage derselben zu geben bemüht war.Eine eigentlich wißenschaftliche, auf wahre Beobachtungen gegründeteLage dieser Flecken gegen den ersten Meridian und den Aequator desMondes, wurde erst i. I. 1748 von Tobias Mayer ausgeführt, dessenKarte, von 7'/- Zoll im Durchmester, Lichtenberg zu Göttingen i. I.1775, nach Mayer's Tode, herausgegeben hat. Diese Karte ist sehr nahedieselbe, welche dem gegenwärtigen Werke beigefügt ist, und sie war nochvor kurzer Zeit die einzige, deren sich alle Astronomen zu bedienen pfleg-ten. Da man die von Mayer gegebenen Bestimmungen für hinlänglichgenau hielt, so beschäftigte man sich mehr mit der detaillirten Bestim-mung der Configuration einzelner Flecken, und darin zeichnete sich vor-züglich Schröter in Lilienthal aus, der die Zeichnungen und Beschrei-bungen aller Mondesflächen in seinen „selenotopographischen Fragmen-ten"— Göttingen 1791, zwei Bände 4w — mit seltener Genauigkeit bekanntgemacht hat. Nach ihm erschien die „Topographie der Mondoberfläche"von Lohrmann (Leipzig 1824), welche die von Schröter noch an Prä-cision übertrifft, aber noch unvollendet ist. In dem Jahre 1832 endlichbegannen Mädler und Beer in Berlin eine auf umständliche undhöchst genaue Mikrometermessungen gegründete Mondeskarte von dreiPar. Fuß im Durchmesser, die ihrer Vollendung rasch entgegengeht.Die drei letztgenannten Arbeiten werden auf längere Zeit das Vorzüg-lichste ausmachen, was wir zur Kenntniß der Oberfläche unseres Satel-liten besitzen. Für die Ausbildung einzelner Theile dieser Oberfläche hatauch Gruithuisen Beiträge geliefert, die an Präcision und Aehnlichkeitder Darstellung selbst die von Schröter gegebenen oft übertreffen.
Da es einem Werke dieser Art angemessen erscheint, das, was obenüber die Berge und Thäler des Mondes gesagt worden ist, durch Zeich-