» 44 Saturn und sein Ring. §. log—rw.
in England einen Fixstern in diesem leeren Raume durchblicken sah, dieeinzige Beobachtung dieser Art, so viel uns bekannt ist, die aber wohlleicht mehrere finden würde, wenn man den Saturn zu dieser Absicht insiernreichen Gegenden des Himmels eifriger verfolgen wollte, als bishergeschehen seyn mag.
H. 169. (Neigung und Knoten des Ringes.) Dieser Ring hat, nachBessels neuesten Bestimmungen, gegenwärtig eine Neigung von 28 Gra-den gegen die Ekliptik, und die Länge seines aufsteigenden Knotens inder Ekliptik beträgt 167 Grade. Wegen dieser Neigung erscheint der inder That kreisförmige Ring, aus der Sonne sowohl, als auch aus derErde gesehen, immer nur in der Gestalt einer Ellipse und zwar einerveränderlichen Ellipse, deren constante große Halbaxe, in der mittlernEntfernung Saturns, gleich 20".647, deren veränderliche kleine Halbaxeaber höchstens gleich 9".55 seyn und öfters sogar bis auf eine ganz ver-schwindende Größe abnehmen kann, wo dann der Ring als eine geradeLinie erscheint, oder auch ganz unsichtbar wird. Die erwähnte Figur(Fig. 86) stellt Saturn mit seinem Ringe in der größtmöglichen schein-baren Oeffnung des letzteren dar.
H. 116. (Ursachen der Verschwindungen des' Ringes.) Dieses Ver-schwinden des Ringes ist für die Theorie desselben von der größten Wich-tigkeit, weil sich daraus die Lage der Ebene dieses Ringes mit großerSchärfe bestimmen läßt. Wir wollen daher auch die Ursache und dienäheren Umstände dieser Verschwindungen etwas genauer betrachten. —Es wurde bereits gesagt, daß die Ebene dieses Ringes gegen die Eklip-tik unter dem Winkel von 28 Graden geneigt ist. Setzen wir noch hinzu,daß er diese Neigung, im Allgemeinen betrachtet, während seines ganzenUmlaufs um die Sonne beibehält, so daß er sich selbst immer parallelbleibt.
Sey 8 (Fig. 49) die Sonne, mn die kreisförmige Bahn der Erde,und die des Saturn. Nehmen wir an, daß die Linie ^.80 die
Knotenlinie (I. H. 106) des Ringes in der Ekliptik sey, so daß also deraufsteigende Knoten ^ in der Länge von 167° und der niedersteigendeO in der Länge von 347° liege. Auf diese Knotenlinie senkrecht sey derDurchmesser LO gezogen. Wenn nun Saturn in dem Punkte ^ ist oderwenn er, von der Sonne aus gesehen, die Länge 167° hat, so schneidetdie Ebene seines Ringes die Ekliptik in der Linie ^80, oder diese Ebenegeht durch die Sonne 8, und kann sonach bloß in seinen schmalen Kan-ten, oder der Dicke nach von der Sonne beleuchtet werden. In diesemAugenblicke erscheint er also einem Auge in der Sonne nur als einegerade Linie, oder in der Gestalt der Fig. 50. Wie aber Saturn ausdiesem Punkte ^ weiter gegen L fortrückt, so beleuchtet auch die Sonnedie südliche Seite des Ringes immer mehr und mehr, und der Ringwird daher dem Auge in der Sonne immer breiter erscheinen, bis er,wenn Saturn in L ist, am weitesten geöffnet ist und die Gestalt vonFig. 51 hat; wo der nördliche Theil des Ringes jenseits der Kugel, undder südliche dießseits steht. Wie dann Saturn weiter gegen E fortrückt,wird der Ring wieder enger, bis er in E, in dem absteigenden Knoten,wieder nur seine Kante erleuchtet hat, und als eine gerade Linie, wieFig. 52, erscheint. Von 0 gegen D wird die Sonne immer mehr ansder nördlichen Seite des Ringes vorrücken, und dieser daher immer brei-ter erscheinen, bis er in v am breitesten ist, und die Gestalt Fig. 53 hat,wo der nördliche Theil des Ringes dießseits der Kugel und der südlichejenseits liegt.
Von der Sonne gesehen, erscheint also Saturn während jeder seiner