.>«2 Merkur. §. so.
(I. tz. 175) gesagt, daß verschiedene Orte der Erde dieselbe Finster-niß auf sehr verschiedene Art und mehrere derselben auch wohl gar nichtsehen können. Wenn nämlich (in Fig. 43) 8 den Mittelpunkt der Sonne,I/des Mondes und I' der Erde bezeichnet, und wenn man die zweiTangenten XI>I) und nIII) zieht, welche Sonne und Mond auf dersel-ben Seite berühren, so wird IZDI» den Schattenkegel vorstellen, welchender Mond zur Zeit des Neulichtes auf die Erde wirft. Dieser Schattenbegegnet der Oberfläche der Erde, wenn er sie überhaupt erreicht, ineinem Kreise inon, dessen Durchmesser mn ist. Alle Orte der Erde,welche von diesem Kreise getroffen werden, sehen eine totale Sonnen-finsterniß, oder die ^vnne wird ihnen, zur Zeit der größten Finsterniß,ganz unsichtbar seyn. — Zieht man aber noch die zwei TangentenXVO und nbl;, welche Sonne und Mond ans entgegengesetzten Sei-ten berühren, und läßt man auch diese Tangenten sich um beide Körperdrehen, so werden sie ebenfalls einen Kegel beschreiben, depen Spitzein I>, zwischen Sonne und Mond ist, während die Spitze I) des erstenKegels IIVK außerhalb jenen zwei Körpern liegt. Dieser zweite Kegelwird die Oberfläche der Erde wieder in einem Kreise schneiden,dessen Durchmesser ist, und alle Orte der Erde, welche in diesemKreise liegen, werden die Sonne wenigstens zum Theil verfinstert, odersie werden eine partielle Finsterniß und zwar eine um so größeresehen, je näher diese Orte an dem Kreise mn liegen. Alle außer demKreise Ee liegenden Orte der Erde aber werden von dieser Finsterniß
gar nichts sehen. ^ " 5 W ^
Man pflegt den Durchmesser der Sonne in 12 gleiche Theile, dieman Zolle nennt, zu theilen. Wenn nun der Ort in 3 eben drei Zolleoder den vierten Theil der Sonne zur Zeit seiner größten Finsternißverdunkelt sieht, so sagt man, dieser Ort hat eine Finsterniß von 3 Zol-len. Und eben so haben die Orte 6, 9.. eine Finsterniß von 6, 9..Zollen, oder sie sehen die Sonne an ihrem nördlichen oder auch an ihremsüdlichen Rand um 6, 9 .. Zolle verdunkelt.
Es handelt sich nun darum, durch Rechnung zu bestimmen, welchesdiejenigen Orte der Erde sind, die für einen jeden gegebenen Augenblickeine totale oder auch eine partiale Finsterniß von 11, 19, 9.. Zollen alsihre größte Verfinsterung sehen. Da nämlich während der ganzen Dauerder Finsterniß die Erde nicht stille steht, sondern eine doppelte Bewegunghat, die eine jährliche um die Sonne 8 und die andere tägliche um ihreneigenen Mittelpunkt D, so wird z. B. der Punkt r, oder der Mittel-punkt des vollen Schattenkreises mno für jeden Augenblick eine andereStelle auf der Oberfläche der Erde einnehmen, oder dieser Punkt wirdirgend eine krumme Linie ilk auf der Erde beschreiben, und eben sowerden alle Punkte der Erde, welche eine größte Verfinsterung von 3oder 9 Zollen sehen, eine andere krumme Linie 3. III. oder 9. IX, bildenu. s. f. Da hier nicht der Ort seyn kann, diese Berechnungen umständ-lich anzuführen, so mag es genügen, die Resultate derselben an einemBeispiele zu zeigen. Ich wähle dazu die Svnnenfinsterniß des 4ten Ju-nius 1788. Die Fig. 44 zeigt die Erscheinungen derselben für die Erdewährend der gayzen Zeit ihrer Dauer.
Da die Sonne in ihrer Bahn stündlich 2'/z, und der Mond in sei-n er 33 Minuten von West gen Ost zurücklegt, so wird man sich die Be-trachtung sehr erleichtern, wenn man nicht diese beiden Gestirne beweg-lich annimmt, sondern die Sonne unbeweglich voraussetzt, und dafür demMonde in seiner Bahn (Fig. 43) stündlich um die Differenz jener zweiGroßen oder um 30'/» Min. von West gen Ost fortgehen läßt, wodurch