Sonne. §. 15.
90 Grade von jenen entfernte Punkte, wo diese beiden Linien ihrengrößten Abstand von einander haben.
Wenn der ursprungliche Lichtstrahl Ur senkrecht auf die Fläche desKrystalls fällt, so geht er ganz ohne Biegung durch, und wenn er unterirgend einem schiefen Winkel auf diese Fläche fällt, so wird er zwar andieser obern sowohl, als auch an der untern Fläche, bei r und bei (>,gebogen, aber ganz nach dem bekannten Gesetze der Refraclion, das; näm-lich die Sinus des Einfalls- und des Brechungs-Winkels immer dasselbeVerhältniß unter sich beibehalten. Da dieß bei allen durchsichtigen Kör-pern im Allgemeinen beobachtet wird, so heißt eben aus dieser Ursacher() der gewöhnliche Strahl. Dieses Gesetz der allgemeinen Refractivnwird nun von dem andern Strahl iL nicht befolgt, und deßwegen wirder auch der außerordentliche Strahl genannt.
In Fig. 32 werden zwei solcher Krystalle in geringer Entfernungvon einander und so vorgestellt, daß ihre Hauptschnitte einander parallelliegen. Der Lichtstrahl ilr soll, der größeren Einfachheit wegen, senk-recht auf die Oberfläche des ersten Krystalls einsallen, und also bei r inzwei Strahlen gespalten werden. Der gewöhnliche Strahl il) geht un-gebrochen durch beide Krystalle und verfolgt den Weg iDlikl)«; deraußerordentliche Strahl aber wird in i- sowohl, als auch in E, und dannin 5' sowohl, als auch in H gebrochen, so daß sein Weg iC^We ist.
Wenn aber der untere Krystall um seine Axe so lange gedreht wird,bis sein Hauptschnitt auf dem Hauptschnitte des oberen Krystalls senk-recht steht, oder mit ihnen einen rechten Winkel bildet, so verhält sichdie Sache so, wie sie in Fig. 33 dargestellt wird. Dann wird nämlichder gewöhnliche Strahl des ersten Krystalls in dem zweiten auf
die außerordentliche Weise, und der außerordentliche Strahl iI5E? desersten Krystalls wird von dem zweiten ans die gewöhnliche Weise ge-brochen. Es ist nämlich (in Fig. 32) der durch beide Krystalle ge-wöhnlich, und IZe der durch beide außerordentlich gebrochene Strahl, undeben so ist (Fig. 33) ()e der im ersten Krystall gewöhnlich und im zweitenaußerordentlich, so wie endlich Lo der im ersten Krystalle außerordent-lich und im zweiten gewöhnlich gebrochene Strahl.
In jeder von diesen beiden Lagen der zwei Krystalle, wo die Haupt-schnitte derselben entweder parallel oder auf einander senkrecht sind, wirdweder der gewöhnliche, noch der außerordentliche Strahl von dem zwei-ten Krystall mehr gespalten, und man sieht immer nur zwei Strahlen.Aber in den Zwischenpositivnen dieser beiden Lagen, wenn nämlich derWinkel der beiden Hauptschnitte weder 0 noch 90 Grade beträgt, hatallerdings eine solche Spaltung statt, so daß man dann mehr als zweiLichtsirahlen bemerkt.
§. 15. (Erklärung dieser Erscheinungen des polarisirten Lichts.) Wasist nun die Ursache dieser sonderbaren Erscheinungen? — Auf den erstenBlick könnte man glauben, daß jeder Lichtstrahl aus zwei verschiedenenStrahlen, aus zwei verschiedenen Reihen von Elementen besteht, vonwelchen die erste die Eigenschaft hat, auf die gewöhnliche, und die an-dere auf die außerordentliche Weise, von diaphanen Körpern gewisserArt, gebrochen zu werden. Aber die so eben angeführte Beobachtung stehtmit dieser Annahme im Widerspruch, indem nämlich, wenn die Haupt-schnitte auf einander senkrecht stehen, der gewöhnliche Strahl des erstenKrystalls der ungewöhnliche im zweiten wird und umgekehrt.
Der ganze Unterschied zwischen den in Fig. 32 und 33 vorgestelltenErscheinungen rührt offenbar nur daher, daß man in Fig. 32 die beidenHauptschuitte parallel, also z. B. beide von Süd gen Nord gestellt hat,