§. 192.
Refraktion, Präcession und Nutation
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Tage Mittags z. B. die Länge 10°^ oder 10 Grade im Stier habe.Dieß bezieht sich aber nur auf das alte Zeichen des ^ oder auf denjeni-gen Raum im Thierkreise, den der Stier ehemals eingenommen hat,und man muß daher jetzt den Mond für jene Zeit nicht mehr im Stern-bilde des Stiers, sondern vielmehr in dem des Widders am Himmelsuchen. Diese Zweideutigkeit wird vermieden, wenn man, statt mit jenemveralteten Ausdrucke, mit dem neueren sagt, daß die Länge des Mon-des 40 Grade habe. Es wäre übrigens interessant, sehr alte Zeichnun-gen des Himmels oder Sternkarten mit der Ekliotik zu besitzen, umdaraus, nicht sowohl den Stand des Himmels zu jener Zeit, den unsdie gegenwärtige Kenntniß der Präcession mit hinlänglicher Genauigkeitgibt, als vielmehr die Epoche abzuleiten, zu welcher jene Karten verfer-tiget worden sind. So stand z. B. um das Jahr 320 vor Chr. die Brustdes Widders im Frühlingspnnkte, im Jahre 2470 vor unserer Zeitrech-nung nahmen die Hyaden im Stier, im Jahre 4620 das westliche Endeder Zwillinge und im Jahre 6770 die Mitte des Krebses den Frühlings-punkt ein. Im Gegentheile wird er in der Folgezeit um das Jahr 4000nach Chr. in der Mitte des Wassermannes, i. I. 6140 im Kopfe desSteinbocks und i. I. 8300 in der Spitze des Pfeils des Schützen seyn.
H. 102. (Polarsterne für verschiedene Epochen.) Die Astronomen pfle-gen denjenigen unter den größeren Sternen, der dem Nordpole desAeguators am nächsten steht, den Polarstern zu nennen. Sie gebenihm diesen Eigennahmen, weil er durch diese seine Stellung am Him-mel zu mehreren wichtigen Beobachtungen und Untersuchungen vorzüglichgeschickt ist. Jetzt trägt diese Benennung der Stern a im kleinen Bä-ren, dessen Rectascension nahe 15° und dessen Abstand von dem Poledes Aeguators 1° 30' ist. Dieser Abstand wird in den nächsten Jahr-hunderten noch kleiner werden, weil wegen der Präcession der Poldes Aeguators (Fig. 2) sich diesem Sterne immer mehr nähert. Im I.2100 aber wird dieser Pol am nächsten bei ihm seyn, und dann nurmehr 28 Minuten von ihm abstehen. Nach dieser Zeit wird der Pol iXsich wieder von ihm entfernen, um sich anderen Sternen zu nähern, diedann einen größeren Anspruch auf die Benennung des Polarsterns ma-chen werden. — Zur Zeit Hipparch's war er noch gegen zwölf Grade vondem Pole entfernt und verdiente daher damals diesen Namen nochgar nicht. Um diejenigen Sterne zu finden, denen in verschiedenen Epo-chen der Pol des Aeguators am nächsten steht, wird man auf einerSternkarte um den Pol der Ekliptik einen Kreis mit dem Halbmesservon 23° 28' ziehen, und dadurch die Sterne angeben, durch welche dieserKreis geht. Genauer noch wird man für die verschiedenen Epochen dieHalbmesser dieser Kreise dahin verändern, daß sie die Schiefe der Eklip-tik für jene Epoche (S. 69) vorstellen. Auf diese Weise findet man,daß gegen das^Jahr 2700 vor Chr. der Stern a im Drachen der Polar-stern war, und daß i. I. 4100 nach Chr. der Stern 7 Cephei, dann« Cephei, später « Eygni oder Dereb im Schwan, und endlich gegend. I. 14000 nach Chr. a Lyrae oder Atair in der Leyer auf diese Be-nennung Anspruch machen wird, da dann der letzte Stern, der jetzt noch38 Grade von dem Weltpole absteht, nur mehr nahe 5 Grade von ihmentfernt seyn wird. Man findet alle diese Sterne, die in verschiedenenZeiten Polarsterne sind, wenn man aus dem Pole der Ekliptik, alsMittelpunkt, mit dem Halbmesser von 23'/- Grad auf einer Himmels-karte oder auf einem Globus einen Kreis verzeichnet.
Wenn man die jährliche Präcession von 0 .013947 für alle ^ahregleich groß annimmt, so würde daraus folgen, daß die Pole des Aequa-