224 Refraction, Präcessiou und Nutation. ,8-z.
mehr darin leben kann, sondern daß selbst unsere feinsten physischen In-strumente uns nicht einmal die Existenz derselben mehr anzugeben imStande seyn würden. Die für unsere Sinne vielleicht noch fühlbare Lufterstreckt sich nicht über zwei d. Meilen von der Oberfläche der Erde, undin diesen Gegenden ist die Dichte derselben nahe der achte Theil ihrerDichte an der Oberfläche des Meeres. Bis zu dieser Höhe kann man,den Beobachtungen gemäß, die Atmosphäre, ihre Dichte ausgenommen,im Allgemeinen als gleichförmig — oder man kann sie als aus der Ober-fläche der Erde parallelen sphärischen Schichten bestehend annehmen,deren jede in allen Punkten gleich dicht ist, während die Dichte der ver-schiedenen Schichten selbst mit ibrer Höhe von der Erde nach dem er-wähnten Gesetze abnimmt. Diese Annahme ist auch der Lehre von demGleichgewichte der Flüssigkeiten vollkommen gemäß und sie setzt uns zu-gleich in den Stand, die Wirkungen dieser auf die erwähnte Weise con-stituirten Atmosphäre einer einfachen Rechnung zu unterwerfen. DieUebereinstimmung der Resultate dieser Rechnungen mit jenen der unmit-telbaren Beobachtungen wird dann zeigen, ob jene Voraussetzung selbstder Wahrheit gemäß ist.
tz. 184. (Refraction.) Wie alle durchsichtigen Körper, so hat auchdie Luft die Eigenschaft, daß sie die auf sie fallenden Lichtstrahlen, in-dem sie dieselben anzieht, bricht und ihnen eine andere Richtung gibt.Die Folge davon ist, daß wir die Sonne und überhaupt alle Körper desHimmels an einem ganz andern Orte sehen, als an dem, welchen sie inder That einnehmen.
Ist E (Fig. 25) der Mittelpunkt der Erde, V der Beobachter aufder O berfläche derselben und 8 ein Gestirn, so wird der Lichtstrahl 8s,wenn er der ersten der oben erwähnten concentrischen Luftschichten in 8begegnet, von derselben so gebrochen, daß er der Linie C.8 oder dem Ein-fallslothe näher kömmt, als er ohne Brechung gekommen seyn würde.Da ferner die Beschaffenheit der Schichten in allen Richtungen um denPunkt « durchaus diefelbe ist, so wird der Strahl durch die Brechungnur von dem Zenithe weg, aber nicht seitwärts gebracht, so daß er auchnach seiner Brechung noch in derselben Verticalebene E8« liegt, wie vorderselben, oder daß durch diese Brechung nur die Zenithdiftanz, abernicht das Azimut des Sterns (Einl. §. 20) verändert wird. Diese Ver-änderung ist allerdings nur sehr gering, weil die Dichte sowohl, als dieDicke dieser ersten Schicht ebenfalls nur äußerst klein ist. Aber diezweite Schicht bewirkt eine ähnliche Veränderung oder eine ähnliche Beu-gung des Lichtstrahls, und da dasielbe auch von allen folgenden Schich-ten gilt, so wird die Wirkung aller dieser Brechungen seyn, daß der an-fänglich geradlinige Strahl 8,-i innerhalb der Atmosphäre, oder von demPunkte 8 bis zu dem Auge des Beobachters in !!, eine gegen die Erdehohle krumme Linie 8« beschreibt. Nun sieht man aber alle Gegen-stände in derjenigen Richtung, welche der von ihm ausgehende Licht-strahl in dem Augenblicke hat, in welchem er das Auge des Beobachterstrifft, unbeschadet aller der andern Richtungen, die er etwa vor diesemAugenblicke gehabt haben kann. Daraus folgt, daß das Auge den Stern8 in der Richtung der Tangente des letzten Punktes der krummen Liniesieht, die er in der Atmosphäre beschreibt, oder in der Richtung der ge-raden Linie!18^ 8', also auch näher bei dem Zenithe X, als es denStern ohne Refraction gesehen haben würde. So wie aber L8^8^ dieletzte Tangente jener krummen Linie ist, so ist auch die gerade Linie 88die erste Tangente derselben. Verlängert man diese Linie 88 auf derandern Seite von 8, bis sie die letzte Tangente in n und die Erde in l>