15.2
Kepler's Gesetze.
>27.
maenannte zweite Ungleichheit (tz. 105) der Alten nicht den Planeteneiaeuthümlich, sondern daß sie bloß scheinbar sey, und ihren Gründ inder Bewegung der Erde um die Sonne habe; und dieß hat er uns aufeine Weise gezeigt, daß fortan Niemand mehr an der Wahrheit seinerErklärung zweifeln kann, ja daß diese Voraussetzung jeder künftigenVerbesserung oder Erweiterung der Wistenschaft zu Grunde liegen muß,wenn sie anders auf diese Benennung Anspruch zu machen würdig ist.
Allein jene erste Ungleichheit (tz. 106) ließ sich durch dse vonEopernicus entdeckte Bewegung der Erde nicht darstellen. Diese Un-gleichheit ist den Planeten eigenthümlich, und kein bloßer Schein,Häher auch die wahre Ursache derselben in der Bewegung der Planetenselbst, nicht außer ihnen, gesucht werden muß. Die Griechen nahmenzu ihrer Erklärung den excentrischen Kreis zu Hilfe, und wir habenbereits (H. 108) gesehen, daß die Bewegung in dem excentrischen Kreiseauch durch die iu einem concentrischen Kreise, aber mit einem Epicykel,vorgestellt werden kann, so wie auch bereits mehr als einmal bemerktworden ist, daß diese Hypothese nicht einmal die unvollkommenen Be-obachtungen der Alten mit hinlänglicher Genauigkeit, und daß sie beson-ders die Entfernungen der Planeten von der Erde eigentlich gar nichtdarstellte.
Cvpernicns aber behielt dessenungeachtet diese Hypothese der Griechenbei, so wie er sich auch nicht von der kreisförmigen Gestalt der Pla-netenbahnen, welche die Griechen als die einzig mögliche erkannt habenwollten, losreißen konnte. Ihm war es genug, den einen der beidenHaupttheile der alten Irrlehren gestürzt zu haben, den wichtigsten viel-leicht, oder doch den schädlichsten und gefährlichsten. Der zweite for-derte ohne Zweifel mehr geistige Kraft, mehr Kenntniche und Beharr-lichkeit, aber nicht mehr jenen edeln Muth, mit welchem Eopernicuseinem für unerschütterlich gehaltenen Irrthume und selbst dem täglichenZeugnige der Sinne entgegen trat.
tz. 127. (Tycho 's Planetensystem.) Eine solche Verbesserung des coper-nicanischeu Systems versuchte, ein halbes Jahrhundert nach der Bekannt-machung degelben, Tychv Brahe, einer der größten praktischen Astro-nomen, dessen Urtheilskraft aber in den Vorurtheilen seiner Zeit befangenwar, und dem die Wahrheit weniger galt, als eine übel begründeteAuctorität. Zwar konnte auch er die nicht weiter zu bezweifelnde Be-wegung der Planeten um die Sonne nicht verkennen, daher er auchMerkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn in immer größeren con-centrischen Kreisen um die Sonne gehen ließ, welche letzte den Mittel-punkt aller dieser Kreise einnahm. Aber diese Sonne war nicht, wie beiEopernicus, in Ruhe, sondern sie bewegte sich selbst in einem andernKreise, desten Mittelpunkt die ruhende Erde einnahm. Er stellte alsowieder, wie die Alten, die Erde in den Mittelpunkt des Weltalls, undließ um sie die Sonne gehen, welche letzte zugleich der bewegliche Mittel-punkt anderer Kreise war, in deren Peripherie die übrigen Planetenunmittelbar um die Sonne, und durch diese mittelbar um die Erde sichbewegten. Auf diese Weife glaubte er einen Mittelweg zwischen derWahrheit, deren innere Kraft er nicht ganz verkennen konnte, undzwischen einer Auctorität, der er nicht entgegen zu treten wagte, gefunden,sich mit beiden abgefunden, und vielleicht zugleich seiner Eitelkeit einenTribut gebracht zu haben, wenn er fortan als der Erfinder eines Sy-stemes gepriesen würde, das wenigstens den Beifall der einen Parthei,um deren Gunst es ihm vorzüglich zu thun war, zu erhalten hoffenkonnte. — Aber die immer gerechte Zukunft hat diese Hoffnungen nicht