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Die Wunder des Himmels oder gemeinfaßliche Darstellung des Weltsystems
Entstehung
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121
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§- v-t- Jahreszeiten. 121.

desselben, ja die des gerammten Menschengeschlechtes aussehen, wennüberhaupt noch zur ewigen Finsterniß verurtheilte Wesen eine Ge-schichte ihrer Thaten und Erfindungen haben können.

Oder wenn die Erde zwar eine jährliche Bewegung um die Sonne,aber keine tägliche um ihre eigene Axe hätte? Dann würden wohl alleTheile der Erde sich nach und nach der Sonne zuwenden, Tag und Nachtwürden auf ihr wechseln, aber welch ein Tag und welche Nacht! Je-der dieser zwei Tagszeiten würde ein volles halbes Jahr währen und imLaufe des ganzen langen Sonnenjahres würde jeder Ort der Erde gleichunseren gegenwärtigen Bewohnern der beiden Pole, sechs Monate dieSonne sehen und sechs andere in tiefer Nacht und in einer Alles erstar-renden Kälte vertrauern. Ohne Zweifel würde eine solche Einrichtung,so weit sie auch der vorhergehenden vorzuziehen seyn mag, auf die Be-friedigung der ersten Bedürfnisse und auf alle Bequemlichkeiten des Le-bens, die uns jetzt so theuer und so unentbehrlich scheinen, den nngün- -stigsten Einfluß äußern, und so oft die arge, halbjährige Nacht mit ihrenschwarzen Schwingen sich über dem Lande niederließe, auf welche heilloseZeitvertreibe würden Manche von uns verfallen, bloß um sich vor derimmer näher rückenden, tvdtenden Langeweile zu schützen.

In dieser Anordnung würde die Ebene der Erdbahn die Oberflächeder Erde immer in demjenigen Kreise schneiden, der jetzt auf unserenErdgloben, eben so zweckwidrig als unnütz, durch die Ekliptik bezeichnet- wird, und die Folge davon würde seyn, daß alle die Orte der Erde,welche unter diesem Kreise liegen, die Sonne einmal im Jahre in ih-rem Zenithe sehen und zwar sehr lange sehen würden, indem die Strah-len derselben für jeden Bewohner jener Orte, beinahe zwei volle Monatedurch, immer nahe senkrecht auf seinen Scheitel fallen würden. Welchelange, drückende Mittagsstunden, deren Schwüle nur wieder mit derstarren Kälte der eben so langen Stunden der Mitternacht in Vergleichgebracht werden können! Aber auch die übrigen Menschen, die zu beidenSeiten dieses unheilvollen Kreises wohnen, würden keine Ursache haben,sich aus diesem Grunde glücklicher zu preisen, da auch sie in der zulange anhaltenden Hitze verschmachten oder in dem halbjährigen Frosteerstarren müßten. Die kalte und ein großer Theil der gemäßigten Zoneendlich würde, bei dieser Einrichtung, für Menschen und Thiere ganz un-bewohnbar seyn.

H. 84. (Wenn die Ekliptik mit dem Aequator zusammenfiele.) Allendiesen Uebeln ist durch die einfache Einrichtung, daß die Erde in derkurzen Zeit eines Tages sich um ihre Axe dreht, wenigstens größtentheilsabgeholfen. Ich sage, größtentheils, denn wenn zu dieser Umdrehungnicht noch eine zweite Bedingung hinzu kömmt, so würde es um denschönen Wechsel unserer Jahreszeiten, den wir nun einmal weder entbeh-ren wollen noch können, immer noch sehr mißlich stehen. Man lassenur die Erde sich täglich drehen, aber in derselben Ebene drehen, inwelcher sie zugleich jährlich um die Sonne geht, oder mit anderen Wor-ten, man lasse die Ekliptik mit dem Aequator zusammen fallen. Dieunmittelbare Folge dieser neuen Einrichtung würde seyn, daß überallauf der ganzen Erde und durch das ganze Jahr der Tag gleich lang mitjeder Nacht seyn, daß ein immerwährender Frühling auf der Erde herr-schen, und daß von einem Wechsel der Temperatur und der Jahreszei-ten weiter keine Rede mehr seyn würde. Ob wir aber bei diesem ewigenFrühling, den unsere Dichter wahrscheinlich nur deßhalb so oft preisen,weil sie ihn nicht kennen, uns besser oder auch nur überhaupt noch er-träglich befinden würden, möchte sehr zu bezweifeln seyn. Die Gegenden