§. ?s. Aberration der Fixsterne. HZ
würde den Durchmeyer der Erdbahn erst in 1178 Jahren durchschiffen,und der eben daselbst angeführte Renner, der in jeder Secunde 50 Par.Fuß durchlauft, würde zu jenem Wege 594 Jahre brauchen. Eine Ka-nonenkugel, die in jeder Secunde 600 Par. Fuß fliegt, brauchte 50Jahre; der Schall, der jede Secunde 1038 Par. Fuß zurücklegt, braucht29 Jahre, und das Licht endlich, das in jeder Secunde durch 41900Meilen fliegt, braucht zu demselben Wege von mehr als 41 MillionenMeilen noch nicht einmal 16'/- Minuten, oder nur etwas weniges mehrals eine Viertelstunde. — Die sogenannte Reise um die Welt oder denUmkreis der Erde von 5400 Meilen würde ein Wanderer, wenn er auchtäglich 10 Meilen macltte, erst in 540 Tagen oder nahe in l'/z Jahrenzurücklegen; jenes Schiff braucht dazu 55 Tage, jene Kanonenkugel 2'/-Tage, der Schall nur l^/.o Tage, und das Licht bloß den achten Theileiner Secunde. Also in einer einzigen Secunde, in der Zeit, die wirbrauchen, mit unsern Augenliedern zu winken, in der Zeit eines einzi-gen Flügelschlags des mächtigsten Adlers, schwingt sich das Licht, gleicheiner ungeheuern Schlange, in großen Kreisen, achtmal um die ganzeErde. Und doch würde dasselbe Licht, mit dieser uns unbegreiflichen Ge-schwindigkeit, um nur von dem nächsten Fixstern in gerader Linie oderauf dem kürzesten Wege bis zu uns zu gelangen, wie wir tz. 70 gesehenhaben, über drei volle Jahre brauchen!
H. 79. (Andere wichtige Eigenschaften des Lichts.) Und diese erstau-nenswürdigen Resultate sind eine Folge von einfachen Rechnungen, dieso leicht sind, daß sie ohne Zweifel jeder Leser mit uns gemacht hat.Wer von uns aber würde, wenn er sie nicht machen konnte, von demInteresse, welches dieser Gegenstand einflößt, angezogen, diese einfachenRechnungen, und durch sie den einzigen Weg nicht kennen lernen wol-len, auf welchem man zur Kenntniß solch interessanter Resultate, undzur Ueberzeugung gelangen kann, daß sie der Wahrheit vollkommen ge-mäß, und über allen Zweifel erhaben sind. — Möchte dieß doch denLesern dieser Blätter eine Veranlassung seyn, auch die andern, mindereinfachen Theile der mathematischen Analysis etwas näher kennen zu ler-nen. Wir werden später noch oft andere nicht minder überraschende,.nicht minder wunderbare Resultate unserer Wissenschaft mitzutheilen Ge-legenheit haben, aber nur selten wird es uns vergönnt seyn, von ihnen,so wie hier, auch ihre Beweise mitzutheilen, weil diese Beweise meistensschon höhere mathematische Kenntnisse erfordern, die wir, dem Zweckedieser Schrift gemäß, bei den Lesern nicht voraussetzen. Alsdann wer-den wir, des besten Willens ungeachtet, gezwungen seyn, die schönstenBlüthen und Früchte der Wissenschaft, ohne ihre Gründe, nur historischmitzutheilen, und die Leser, sie auf Treu und Glauben anzunehmen.So weiß man z. B., um nur bei dem Lichte, das jetzt den Gegenstandunserer Betrachtung bildet, einen Augenblick stehen zu bleiben, man weißmit derselben Ueberzeugung, mit welcher wir so eben die Geschwindig-keit desselben kennen gelernt haben, daß es, wenn es die Oberfläche ei-nes Körpers trifft, jeden einzelnen Punkt oder jedes Atom des Körpersin Schwingungen versetzt, die mit einer außerordentlichen Geschwindig-keit, und in regelmäßig wiederkehrenden Perioden^ vor sich gehen. DieSchnelligkeit dieser Schwingungen ist so groß, daß mehre hundert Bil-lionen derselben noch nicht eine Secunde Zeit erfüllen. Diese Schwin-gungen, welche den Elementen der Körper sowohl, als auch unseren Seh-nerven durch das Licht mitgetheilt werden, sind die eigentliche Ursache,daß wir diese Körper mit unseren Augen fühlen, d. h. daß wir sie se-hen, und eben so sind die Unterschiede in der Wiederkehr ihrer Perioden
Littrow. 8