§. 24. Tägliche Bewegung der Erde. 47
vollkommen hinreicht, daß sie richtig ist. Nicht so verhält sich dieSache, wenn es sich um Experimente oder um Beobachtungen handelt,durch welche irgend ein Problem aufgelöst, ein Satz bewiesen, oder eineErscheinung der Gegenstände außer uns erklärt werden soll. Diese Be-obachtungen, durch welche hier die Sache ausgemacht werden soll, müssenmit unseren Sinnen, mit unseren Instrumenten angestellt werden. Alleinunsere Sinne sind Irrthümern und Täuschungen, und unsere Instrumente,auch die vollkommensten, sind Fehlern unterworfen, und die Gegenstände,welche wir auf diese Weise untersuchen wollen, sind oft so klein oder so schweraufzufassen, oder so sonderbar mit einander verwickelt, daß selbst ge-ringe Fehler, die wir bei den Beobachtungen dieser Gegenstände begehen,die größten und schädlichsten Wirkungen auf die daraus abzuleitendenResultate erzeugen können. Es kann daher hier nicht, wie bei andernWillenschaften, genügen, irgend eine, wenn auch in der Theorie richtige,Methode zu geben, um dadurch ein Problem vermittelst Beobachtungenaufzulösen, sondern man muß auch zugleich der praktischen Sicherheitdieser Methode gewiß seyn, oder doch diejenigen Umstände, unter wel-chen sie mit Zuoerläßigkeit angewendet werden kann, und die Folgenangeben, welche gegebene Beobachtungsfehler in den Resultaten, dieman daraus ableiten will, hervorbringen können, ein Geschäft, das oftnicht weniger Umsicht und Scharfsinn erfordert, als die Auffindung derMethode selbst, und desien oft nur zu häufige Vernachlässigung eine derHauptursachen ist, warum mehrere Theile der Naturwissenschaften nochnicht denjenigen Grad der Vollkommenheit erreicht haben, den wir mitso großem Vergnügen an anderen Theilen bemerken, wo entweder diesepraktischen Hindernisse geringer, oder die geistigen Kräfte derer, die siezu entfernen suchten, größer gewesen sind.
Um dieses auf unsern Gegenstand anzuwenden, wo sich sogleich meh-rere Beispiele zu dem oben Gesagten anbieten werden, müssen wir zuerstden Begriff des Wortes Schwere festsetzen. Wir haben bereits gesagt,daß man dadurch die Ursache andeutet, welche macht, daß die Körper aufder Oberfläche der Erde, wenn sie nicht unterstützt werden, senkrechtgegen diese Oberfläche herabfallen. Man sucht die Ursache mit vielerWahrscheinlichkeit in einer Kraft, deren Sitz im Mittelpunkte der Erdeist, und welche alle Körper außer ihr, zu diesem Mittelpunkte anzieht.Demnach werden also eigentlich die Richtungen der Schwere in verschie-denen Punkten der Erdoberfläche alle gegen den Mittelpunkt derselbencvnvergiren. Es ist ferner bereits durch Erfahrung bewiesen, daß dieseKraft der Erde in größeren Entfernungen von ihrer Oberfläche bedeu-tend abnimmt. Wenn man aber die ungemeine Größe der Erde gegenalle die Höhen über ihrer Oberfläche, in welche wir noch kommen, undauf welchen wir noch Beobachtungen anstellen können, erwägt, so wirdman zuerst ohne merklichen Fehler für unsere Experimente, die Schwereals eine constante oder unveränderliche Kraft und die Richtung derselbendurch die ganze Ausdehnung der unseren Beobachtungen unterworfenenRäume, als unter sich parallel, und auf der Oberfläche der Erde senk-recht oder als vertical annehmen können. .
Man nimmt an, daß alle Körper der Natur aus unendlich kleinenKörpern oder aus Atomen bestehen, die ihrer Wesenheit und Gestaltnach unveränderlich und von einander durch Fwischenräume, Poren, ge-trennt sind, so daß jene Körper nur durch die Natur und durch dasVerhältniß dieser Atome zu ihren Poren, verschieden sind. Diese Atomesind es, auf welche man sich die Kraft der Schwere der Erde als unmit-telbar wirkend vorstellt, woraus dann sofort folgt, daß die ^otalwirkung