§. lZ. Tägliche Bewegung der Erde. ZI
reicht, und uns unsichtbar wird, so stehen jetzt die Kreise aller Sterne,deren Ebene bisher gegen Norden geneigt war, senkrecht auf unseremHorizonte, und wir sehen von jedem derselben genau die eine Hälfteüber der Erde, während die andere Hälfte unter der Erde, und daherfür uns unsichtbar ist. In dieser Lage ist derjenige Kreis, der geradeüber uns steht, d. h. der durch unser Zenith oder durch unseren Schei-telpunkt geht, der größte von allen, und zu beiden Seiten dieses größ-ten Kreises werden alle übrigen gleichmäßig immer kleiner, bis sie end-lich in zwei einander entgegengesetzten Punkten des Horizonts gänzlichverschwinden. Diese zwei Punkte sind zugleich die einzig unbeweglichenPunkte des Himmels, von welchen der eine, wie bereits oben erwähnt,der Nordpol, und der andere, ihm entgegengesetzte, der Südpol desHimmels heißt, während der erwähnte, durch unser Zenith gehende, oderder größte aller Parallelkreise, der Aequator des Himmels genanntwird (Einl. 11).
Setzt man endlich diese Reise in südlicher Richtung noch weiter fort,so erhebt sich auch der früher ganz unsichtbare Südpol immer mehr überdie Erde, und die ihn zunächst umgebenden Sternenkreise befreien sichimmer mehr von dem Horizonte, und kurz dieselben Erscheinungen, diewir oben auf der Reise nach Norden an den nördlichen Sternen bemerk-ten, kommen jetzt in derselben Ordnung an den südlichen wieder, biswir endlich dahin gelangen, wo der Südpol gerade über uns steht, undalle Sternenkreise wieder mit unserem gegenwärtigen Horizonte parallelstehen, wo wir zugleich bemerken werden, daß alle die Sterne, welchewir jetzt unter dem Südpole sehen, durchaus von denjenigen verschiedensind, welche wir früher unter dem Nordpole erblickten, oder daß wir hierdie südliche, und dort die nördliche Halbkugel des Himmels gesehenhaben.
Alles Vorhergehende zeigt, daß der kugelförmige Himmel mit allenseinen Gestirnen sich täglich von Ost gegen West um eine gerade Linie,als um eine Are dreht, welche durch die beiden erwähnten festen Punktedesselben, durch den Nord- und Süd-Pol des Himmels, geht. Da aberdiese beiden Pole, wie wir gesehen haben, einander gerade gegenüberstehen, und da wir überdieß unsere ebenfalls kugelförmige Erde genauin den Mittelpunkt jener Himmelskugel voraussetzen, so wird auch jeneApe durch den Mittelpunkt der Erde gehen, und die Oberfläche^ dersel-ben ebenfalls in zwei Punkten treffen, welche der Nord- und Güd-Polder Erde genannt werden (Einl. 2, 11). Ganz ebenso wird auch derhimmlische Aequator oder die Ebene jenes größten Kreises, in wel-chem die Sterne sich bewegen, welche von den beiden Polen gleichweitentfernt sind, die Oberfläche der Erde in einem Kreise, dem irdijchenAequator (11), schneiden, wie denn überhaupt alle größte oder durchden Mittelpunkt gehende Kreise des Himmels auch durch den Mittel-punkt der Erde gehen, und die Oberstäche der letztern wieder in Kreisenschneiden werden, die wir, zum Unterschiede von jenen, die gleichnami-gen irdischen (Einl. §. 2) Kreise heißen werden.
H. 13. (Aeußere Wahrscheinlichkeit der Bewegung des Himmels.) DieseErklärung der beobachteten täglichen Bewegung der Gestirne, durch eineNotation des Dimmels um eine fire, durch den Mitielpunkt der Erdegehende Axe, ist so einfach und der Sache selbst so angemessen, da,z siefür eine unmitte-bare Bezeichnung der Erscheinung selbst, oder gleichsamnur für einen andern Ausdruck derselben angesehen werden kann. Auchwerden dadurch alle einzelnen Umstände des ganzen Phänomens so ge-