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14 (1862) Vermischte Schriften : Th. 2
Entstehung
Seite
206
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dcnt Esra war, jcncs Buch in den Kanon derheiligen Schriften aufgenommen? Ich habe miroft diese Frage gestellt. Nach meinem Vermuthenthaten Solches jene gotterlcuchtctcn Männer nichtaus Unverstand, sondern weil sie in ihrer hohenWeisheit wohl wussten, dass der Zweifel in dermenschlichen Natur tief begründet und berechtigtist, und dass man ihn also nicht täppisch ganzunterdrücken, sondern nur heilen muss. Sie ver-fuhren bei dieser Kur ganz homöopathisch, durchdas Gleiche auf das Gleiche wirkend, aber sie gabenkeine homöopathisch kleine Dosis, sie steigerten viel-mehr dieselbe aufs ungeheuerste, und eine solcheüberstarke Dosis von Zweifel ist das Buch Hiob;dieses Gift durfte nicht fehlen in der Bibel, in dergroßen Hausapotheke der Menschheit. Ja, wie derMensch, wenn er leidet, sich ausweinen muss,, somuss er sich auch auszwcifcln, wenn er sich grau-sam gekränkt fühlt in seinen Ansprüchen auf Lcbcns-glück; und wie durch das heftigste Weinen, so ent-steht auch durch den höchsten Grad des Zweifels,den die Deutschen so richtig die Verzweiflung nen-nen, die Krisis der moralischen Heilung. Aberwohl Demjenigen, der gesund ist und keiner Meinembedarf!