Druckschrift 
13 (1862) Vermischte Schriften : Th. 1
Entstehung
Seite
237
Einzelbild herunterladen
 

Sollte nicht vielleicht unser Verfasser ebenwegen jener GcfühlScinhcit die Einheit der Hand-lang verworfen haben? Sollte ihm nicht etwasÄhnliches vorgeschwebt haben, was bei den Altendie Trilogicn hervorbrachte? Fast möchten wirDieses glauben, und wir können nicht umhin, denVerfasser zu bitten, die fünf Akte seiner Tragödiein drei zusammen zu schmelzen, deren jeder einzelnealsdann das Glied einer Trilogie sein würde. Dererste und zweite Akt wäre zusammengeschmolzen,und hieße:Tasso's Hoflcben;" der dritte und vierteAkt wäre ebenfalls vereinigt, und hieße:Tasso'sGefangenschaft"; und der fünfte Akt, womit sich dieTrilogie schlösse, hieße:Tasso's Tod."

Wir haben oben gezeigt, dass Einheit desGefühls zum Ethischen einer Tragödie gehört, unddass unser Verfasser dieselbe vollkommen und muster-haft beobachtet hat. Er hat aber auch noch einerzweiten ethischen Anforderung Genüge geleistet.Nämlich, seine Tragödie trägt den Charakter derMilde und Versöhnung.

Unter dieser Versöhnung versteh» wir nichtallein die Aristotelische Lcidcnschaftsrcinigung, sondernauch die weise Beobachtung der Grenzen des Rein-menschlichen. Keiner kann furchtbarere Leidenschaften