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vielmehr jeden Tag einen andern. Diesen immer-währenden Wechsel des Charakters will ich ebenfallsdurchaus nicht tadeln. Es ist sogar ein Vorzug.Ein Charakter entsteht durch ein System stereotyperGrundsätze. Sind letztere irrig, so wird das ganzeLeben desjenigen Menschen, der sie systematisch inseinem Geiste aufgestellt, nur ein großer, langerJrrthum sein. Wir loben Das, und nennen es „Cha-rakter haben", wenn ein Mensch nach festen Grund-sätzen handelt, und bedenken nicht, dass in einemsolchen Menschen die Willensfreiheit untergegangen^dass sein Geist nicht fortschreitet, und dass er selbstein blinder Knecht seiner verjährten Gedanken ist.Wir nennen Das auch Konsequenz, wenn Jemanddabei bleibt, was er ein für alle Mal in sich auf-gestellt und ausgesprochen hat, und wir sind ofttolerant genug, Narren zu bewundern und Bösc-wichtcr zu entschuldigen, wenn sich nur von ihnensagen lässt, dass sie konsequent gehandelt. Diesemoralische Sclbstuntcrjochung findet sich aber fastnur bei Männern; im Geiste der Frauen bleibtimmer lebendig und in lebendiger Bewegung dasElement der Freiheit. Jeden Tag wechseln sie ihreWcltansichtcn, meistens ohne sich Dessen bcwusst zusein. Sie stehen des Morgens ans wie unbefangeneKinder, bauen des Mittags ein Gcdankcnsystcm,