- 130 —
weil sie die gesellschaftliche ist. Aber der arme deutscheSchriftsteller, der, weil er meistens schlecht honoriertwird, oder selten Privatvcrmögcn besitzt, kein Geldzum Reisen hat, der wenigstens spät reist, wenn ersich schon in eine Manier hincingcschricbcn, der selteneinen Stand oder einen Titel hat, der ihm die Gnadcn-pfortcn der vornehmen Gesellschaft, die bei uns nichtimmer die feine ist, erschleußt, ja der nicht selteneinen schwarzen Rock entbehrt, um die Gesellschaftder Mittelklasse zu frequentieren: der arme Deutscheverschließt sich in seiner einsamen Dachstube, faselt eineWelt zusammen, und in einer aus ihm selbst wun-derlich hervorgegangenen Sprache schreibt er Romane,worin Gestalten und Dinge leben, die herrlich, gött-lich, höchst poetisch sind, aber nirgends existieren.Diesen phantastischen Charakter tragen alle nnsrcRomane, die guten und die schlechten, von der frü-hesten Spieß-, Cramcr- und Vnlpiuszcit bis Arnim,Fouguo, Horn, Hoffmann :c., und dieser Romau-charaktcr hat Biel eingewirkt auf den Volkscharak-ter, und wir Deutschen sind unter allen Nationenam meisten empfänglich für Mystik, geheime Gesell-schaften, Naturphilosophie, Gcistcrknndc, Liebe, Un-sinn und — Poesie!s