Druckschrift 
13 (1862) Vermischte Schriften : Th. 1
Entstehung
Seite
129
Einzelbild herunterladen
 

129

fcn sprechen. Alle tragen Denselben Charakter. Esist der Charakter der deutschen Romane überhaupt.Dieser lasst sich am besten auffassen, wenn man sievergleicht mit den Romanen anderer Nationen, z. B.der Franzosen, der Engländer u. s. w. Da siehtman, wie die äußere Stellung der Schriftsteller denRomanen einer Nation einen eignen Charakter ver-leiht. Der englische Schriftsteller reiset, mit einerLords- oder Apostel-Equipage, schon durch Honorarbereichert oder noch arm, gleichviel er reiset, stummund verschlossen beobachtet er die Sitten, die Leiden-schaften, das Treiben der Menschen, und in seinenRomanen spiegelt sich ab die wirkliche Welt und daswirkliche Leben, oft heiter (Goldsmith), oft finster(Smollet), aber immer wahr und treu (Fielding).Der französische Schriftsteller lebt beständig in derGesellschaft, und zwar in der großen, mag er auchnoch so dürftig und titcllos sein. Fürsten und Für-stinnen kajolicrcn den Notenabschrcibcr Jean Jacques,und im Pariser Salon heißt der Minister Monsieurund die Herzogin Madame. Daher lebt in denRomanen der Franzosen jener leichte Gcsellschaftston,jene Beweglichkeit und Feinheit und Urbanität, dieman nur iin Umgang mit Menschen erlangt, unddaher jene Familienähnlichkeit der französischen Ro-mane, deren Sprache immer dieselbe scheint, eben

Heine's Werke. Bd. XIII.

9