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Wo bleibt die Allmacht Gottes, wenn dem Teufel so viel Ge-walt gestattet wird, daß er wider dessen Willen und ihm zuTrotz was ihn gelüstet, thun kann? Der einzige Grund, dendie Manichaer anführen können, nämlich, daß Gott die Er-schaffung irgend eines Bösen nicht zugeschrieben werden dürfe,trifft die rechtgläubige Lehre nicht. Denn weder die Verkehrt-heit noch Bosheit sowohl des Menschen als des Teufels, oderauch die Sünden, die daraus entstehen, sind nicht aus derNatur, sondern ans dem Vcrdcrbniß der Natur; und es hatvon Anfang durchaus nichts bestanden, worin nicht Gott ei-nen Erweis seiner Weisheit und Gerechtigkeit gegeben hat.11m also diesen verkehrten Einbildungen zu begegnen, müssenwir unsere Gedanken höher erheben als unsere Augen reichen.Darum ist wahrscheinlich, daß in dem Nicanischen Glaubens-bckcnntniß, wo Gott der Schöpfer aller Dinge genant wird,die unsichtbaren Dinge verstanden werden. Jedoch müssen wirdas Maß halten, welches die Regel der Frömmigkeit uns vor-schreibt, damit nicht durch zu tiefe Forschungen die Leser vonder Einfalt des Glaubens abgeleitet werden. Und fürwahr,da der Geist uns immerdar zu unserm Heil belehrt, und das,was wenig zur Erbauung dient, entweder ganz verschweigt,oder nur leicht und im Vorbeigehen berührt, so geziemt auchuns, gern, was nicht nützet, nicht wissen zu wollen.
ll. Daß die Engel, als Diener Gottes, ersehen seine Be-fehle zu vollführen, auch seine Geschöpsc sind, darf keinenZweifel leiden. Ueber die Zeit oder Ordnung, worin sie er-schaffen worden, streiten wollen, würde eher von Vorwitzals Nachdenken zeugen. Daß die Erde vollendet, und dieHimmel vollendet worden, sammt allem ihrem Heer, erzähltMoses'): wozu engherzig forschen, am wievielsten Tage au-ßer den Sternen und Planeten andere verborgenere himmlischeHeere zu seyn begonnen haben? Kurz, lasset uns hier, wieiu der ganzen Religionslehre die eine Regel der Demuth undBescheidenheit festhalten, über dunkle Dinge nichts anders zu
t) Gen. 2, t.