Das erste Bändchen hat nicht nur zahlreiche Leser gefunden,sondern auch den Sammeleifer vieler angeregt, wodurch es ermöglichtwurde, in dem vorliegenden Bändchen mehr noch als in dem erstenmanche bisher ungedruckte Sagen zu bieten, die gewiß das Interessejeden Freundes unseres Volkstums finden werden. Besonderen Danksage ich den Herren Professor Or. Terwelp und Btto Lltermannin Kempen, Pfarrer Sander in vörde, Rektor Friedrich Brückerin Hochemmerich, Gberprimancr Hauter in Tönisberg, Lehrer Schmal-ohr in Hüls, sowie meinen Schülern für die Hilfe, die sie mir zuteilwerden ließen.
Bei der Auswahl der Sagen ist kvert darauf gelegt worden,ihrer mehr im schlichten Prosaklcide als im glänzenden Gewände derPoesie zu bringen, von manchen Sagen, die in Versen gebotenwerden, wäre allerdings zu wünschen, daß sie nie in diese Formgegossen worden wären; gern hätte ich daran geändert odersie in Prosa wiedergegeben. Aber aus Pietät gegen die fleißigenSagensammler der Vorzeit, die uns gerade durch das dichterische Kleidmanche perlen herübergerettet haben, glaubte ich keine Aenderungcnvornehmen zu dürfen. Zudem spricht in der uns überlieferten Forindie Vergangenheit unmittelbarer zu uns. Der volkskundige wird daszu schätzen wissen.
Die Grenzgebiete der Sage sind nicht immer scharf geschieden;das Volk, das die Sagen bildete und die Erzähler, die sie uns über-mittelten, haben oft Geschichtliches, Anekdotenhaftes, Sagenhaftes,Schwank und Volkswitz und dgl. miteinander vermengt und doch alsSagen bezeichnet. Eine Sagensammlung, die der Volkskunde nichtAbbruch tun will, hat meiner Ansicht nach da nicht das Recht,diese Beimengsel wegzulassen, und etwa nur das Sagenhafte reinherauszuschälen. Das Sagcngebiet des Niederrheins wurde dahinerweitert, daß auch der an Sagen so reichen Iülicher Gegend — Jülich,Düren, Linnich, Geilenkirchen, Heinsberg — ein besonderer Abschnittgewidmet wurde. Die Sagen Rheinbergs sind nicht mehr bei deralten Grafschaft Mörs, sondern in dem Kapitel „An den Ufern desRheines" gebracht worden, da Rheinberg nur kurze Zeit zur GrafschaftMors, und zwar als Pfand gehörte. Es ist überhaupt schwierig, diealte Landesgrenze innezuhalten, da recht häufig Verschiebungen derselbenvorkamen und zudem die Meinungen der Lokalgeschichtsforscher hieroft sehr auseinandergehen. Nehmen wir als Beispiel das KempenerLand; es umfaßt nur einen Teil des jetzigen Kreises Kempen undentspricht i. e. S. der Ausdehnung des kurkölnischen Amtes mit denGrtschafteu Kempen, St. Hubert, Hüls szum Teils, St. Tönis,Vorst und Kleinkempen, welche in den ehemaligen HonschaftenSchmalbroich, Broich, Grbroich, Bcnrad, der Großen und