Druckschrift 
2 (1898) Zeitgedichte [u.a.] Neue Gedichte
Entstehung
Seite
207
Einzelbild herunterladen
 

Deutschland.

207

Hat sie die eine Seite erhellt,

Und bringt sie mit strahlender EileDer andern ihr Licht, so verdunkelt schvnSich jene mittlerweile.

Der Stein entrollt dein SisyphuS,

Der Danniden TonneWird nie gefüllt, und den ErdenballBeleuchtet vergeblich die Sonne!

lind als der Morgcnnebel zerrann,

Da sah ich am Wege ragenIm Frührotschein das Bild des MannS,

Der an das Kreuz geschlagen.

Mit Wehmut erfüllt mich jedesmalDein Anblick, mein armer Vetter,

Der du die Welt erlösen gewollt,

Du Narr, du Mcnschhcitsretter!

Sie haben dir übel mitgespielt,

Die Herren vom hohen Rate,

Wer hieß dich auch reden so rücksichtlvsVon der Kirche und vom Staate!

Zu deinem Malheur war die BuchdruckereiNoch nicht in jenen TagenErfunden; du hättest geschrieben ein BuchÜber die Himmelsfrngen,

Der Ccnsor hätte gestrichen darin,

Was etwa anzüglich auf Erden,lind liebend bewahrte dich die CensnrVor dem Gekrcnzigtwcrdeu,

Ach! hättest du nur einen andern TextZu deiner Bergpredigt genommen,

Besaßest ja Geist und Talent genug,

Und konntest schonen die Frommen!

Geldwechsler, Bankiers hast du sogarMit der Peitsche gejagt aus dem TempelUnglücklicher Schwärmer, jetzt hängst du am KreuzAls warnendes Exempel!

Gemüt: