Zeitgedichte.
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Seit ich das Land verlassen Hab',
So viele sanken dort ins Grab,
Die ich geliebt — wenn ich sie zähle,
So will verbluten meine Seele.
Und zählen muß ich — Mit der ZahlSchwillt immer höher meine Qual;
Mir ist, als wälzten sich die LeichenAuf meine Brust — Gottlob! sie weichen!
Gottlob! durch meine Fenster brichtFranzösisch heitres Tageslicht;
Es kommt mein Weib, schön wie der Morgen,Und lächelt fort die deutschen Sorgen.
30.
Der Wcbcr.
Im düstern Auge keine Thrttne,
Sie sitzen am Webstuhl und fletschen die Zähne:„Deutschland, wir weben dein Leichentuch,Wir weben hinein den dreifachen Fluch —Wir weben, wir weben!
„Ein Fluch dem Götzen, zu dem wir gebetenIn Winterskälte und Hungersnöten;
Wir haben vergebens gehofft und geharrt,
Er hat uns geäfft und gefoppt und genarrt —Wir weben, wir weben!
„Ein Fluch dem König, dem König der Reichen,Den unser Elend nicht konnte erweichen,
Der den letzten Groschen von uns erpreßt,Und uns wie Hunde erschießen läßt —Wir weben, wir weben!
„Ein Fluch dem falschen Vaterlands,
Wo nur gedeihen Schmach und Schande,
Wo jede Blume früh geknickt,
Wo Fäulnis und Moder den Wurm erquickt —Wir weben, wir weben!
„Das Schiffchen fliegt, der Webstuhl kracht,Wir weben emsig Tag und Nacht —Altdcutschland, wir weben dein Leichentuch,Wir weben hinein den dreifachen Fluch.Wir weben, und weben!"