Druckschrift 
2 (1898) Zeitgedichte [u.a.] Neue Gedichte
Entstehung
Seite
67
Einzelbild herunterladen
 

Nene Gedichte.

S.

Aus einem Briefe.

tDic Sonne spricht:)

Was zehn dich meine Blicke an?

Das ist der Sonne gnteS Recht.

Sie strahlt auf den Herrn wie auf den Knecht.Ich strahle, weil ich nicht anders kann.

Was gehn dich nieine Blicke an?

Bedenke, was deine Pflichten sind,

Nimm dir ein Weib und mach' ein Kind,Und sei ein deutscher Biedermann.

Ich strahle, weil ich nicht anders kann.Ich wandle am Himmel wohl auf, wohl ab,Aus Langeweile guck' ich hinab

WaS gehn dich meine Blicke an?

<Der Dichter spricht:)

Das ist ja eben meine Tilgend,

Daß ich ertrage deinen Blick,

Das Licht der ew'gen Seelenjngcnd,

Blendende Schönheit, Flammenglück!

Jetzt aber fühl' ich ein ErmattenDer Sehkraft, und es sinken nieder,Wie schwarze Flore, nächt'ge SchattenAuf meine armen Augenlider . . .

iChor der Affen:)

Wir Affen, wir Affen,

Wir glotzen und gaffenDie Sonne an,

Weil sie es doch nicht wehren kann.

(Chor der Frösche:)

Im Wasser, im Wasser,

Da ist es noch nasserAls auf der ErdeUnd ohne BeschwerdeErquicken

Wir uns an den Sonncnblicken!

(Chor der Maulwürfe:)

WaS doch die Leute Unsinn schwatzenVon Strahlen und von Sonnenblicken!