183 Buch der Lieder.
An Jncz.
(Childe Haro ld. Erster Gesang.)
O, lächle nicht ob meinen finstern Brauen,Das Wiederlächeln wird mir gar zu schwer,
Doch Thränen mögen nie dein Aug' betauen,
Umsonst geweinte Thränen nimmermehr.
O, forsche nicht von jenem Schmerz die Kunde,Der nagend Freud' und Jugend mir zerfrißt.
Enthülle nicht die tiefgeheime Wunde,
Die du sogar zu heilen machtlos bist.
Es ist kein Liebesweh, es ist kein Hassen,
Es ist kein Schmerz, getäuschter Ruhmbegier,Was stets mich treibt, das Liebste zu verlassen,Was mir die Gegenwart verekelt schier.
Es ist kein Überdruß, der mich erdrücketBei allem, was ich hör' und seh' und fühl'.
Denn keine Schönheit giebt's, die mich entzücket,
Kanin noch ergötzt mich deiner Augen Spiel.
Es ist die düstre Glut, die stets getragenIn tiefer Brust der ew'ge Wandersmann,Der nirgendwo sich kann ein Grab erjagen,
Und doch im Grab nur Ruhe finden kann.
Welch Elend kann sich selbst entfliehn? VergebensDurchjag' ich rastlos jedes fernste Land,
Und stets verfolget mich der Tod des Lebens,Der Teufel, der „Gedanke" wird genannt.
Doch andre seh' ich, die sich lustig tauchenIn jenes Frcudcnmecr, dein ich entwich;
O möge nie ihr schöner Traum verrauchen,Und keiner mög' erwachsen so, wie ich!
Noch malichen Himmelsstrich muß ich durcheilen,Verdammt, noch manches Mal zurück zu sehn;Nur eiii Bewußtsein kann mir Trost erteilen;Was auch gescheh', das Schlimmst' ist mir geschehn.
Was ist denn dieses Schlimmste? Laß die scharfen,Die scharfen Stachelfragen lasse fort!
O lächle nur, — doch stich nicht zu entlarvenEin Mttnnerherz, zu schann die Hölle dort.