Buch der Lieder.
„O Madonna! sonnig wallenDeines Hauptes Strahlenlockcn;
Süßes Lächeln mild umspieletDeines Mundes heil'ge Rosen.
„O Madonna! deine AugenLeuchten mir wie Sternenlichtcr"Lebensschifflein treibet irre,
Sternlein leiten ewig sicher.
„O Madonna! sonder WankenTrug ich deine Schmerzcupriifuug,
Frommer Minne blind vertrauend,
Nur in deinen Gluten glühend.
„O Madonna! hör mich heute,Gnadenvolle, wunderreiche,
Spende mir ein Huldeszeichen,
Nur ein leises Huldeszeichen!"
Da thttt sich ein schauerlich Wunder bekunden,Wald und Kapell' sind auf einmal verschwunden,Knabe nicht wußte, wie ihm geschchn,
Hat alles ans einmal umwandelt gesehn.
Und staunend stand er im schmucken Saale,Da saß Madonna, doch ohne Strahlen iSie hat sich verwandelt in liebliche Maid,Und grüßet und lächelt mit kindlicher Freud'.
Und sieh! vom blonden Lvckcnhaupte;Sie selber sich eine Locke raubte,
Und sprach zum Knaben mit himmlischem Ton:„Nimm hin dckiueu besten Erdenlvhn!"
Sprich nun, wer bezeugt die Weihe?Sahst du nicht die Farben wogenFlammig an der Himmelsbläue?
Menschen nennen's Regenbogen.
Englein steigen auf und nieder,
Schlagen rauschend mit den Schwingen,Flüstern wundersame Lieder,
Süßer Harmouiecn Klingen.
Knabe hat es wohl verstanden,
Was mit Sehnsuchtsglut ihn ziehetFort und fort nach jenen Landen,
Wo die Myrte ewig blühet.